Das forum junge kunst dankt Zsuzsanna Gahse für ihre Ansichten von Zug.

Nach 71 Beiträgen von 15 Autorinnen und Autoren geht der Blog fürs Erste zu Ende. Herzlichen Dank allen Autorinnen und Autoren, die mit ihren Beiträgen die vielfältigen Aspekte der Stadt Zug zur Sprache gebracht und ins Bild gesetzt haben. Den zahlreichen Leserinnen und Lesern dankt das forum junge kunst für ihr Interesse.

Was ist eine Stadt? Einleuchtende Antworten gibt es in Richard Sennetts Buch „Fleisch und Stein“, Antworten aus unterschiedlichen Perspektiven, die sich selbstverständlich auch auf die Grösse der jeweils beschriebenen Städte beziehen. Athen hatte in der Antike Weltgeltung, obwohl diese Polis im Vergleich zu heutigen Metropolen geradezu klein war. Eine Weltgeltung haben heute New York oder Honkong (um nur zwei berühmte Orte zu nennen), und Sennett zeichnet das Leben in den Megagebilden nach, geht dabei auf die Zentren und die Peripherie ein, diese Differenzierung ist wichtig, er beschreibt urbane Situationen, ebenso aber auch die Armut in den städtischen Molochen. Die mächtigen Ausmasse einer Stadt bringen nicht nur Vorteile.

Wenn jemand Zug als nicht-städtisch bezeichnet, hat er vielleicht bei der Wortwahl danebengegriffen. Zur Auswahl stehen etliche Bezeichnungen und Umschreibungen, beispielsweise die Urbanität, die Weltbezogenheit eines Ortes, die kulturellen und die sozialen Einrichtungen, die Rolle der Wirtschaft.

Als ich mich für diesen dritten kleinen Text an den Schreibtisch gesetzt habe, hatte ich vor, unterschiedliche Quartiere in Zug zu beschreiben, um hervorzuheben, dass ein Ort, der gebietsweise, bezirksweise, quartierweise verschiedene Stimmungen und Grundzüge aufzeigt, unbedingt eine wirkliche Stadt ist, und die Grundstimmungen in Zug – man könnte auch vom Ambiente reden – wechseln immer wieder. Die Altstadt, die neuere, gewachsene Vorstadt, das Metalli-Zentrum, das Wohngebiet nördlich von Metalli haben je eine eigene Prägung, und dann habe ich von der Hanglage mit einigen Hotels und den weitgehend stimmigen Wohnhäusern noch nichts gesagt. Ausserdem sollte ich die Alpenstrasse erwähnen, die vom Bahnhof direkt zum See führt, vorbei an guten Konditoreien und an jener Kirche, die sicher nicht nur bei mir Erinnerungen weckt.

Erinnerungen wecken. Das ist vielleicht das wichtigste Stichwort. Erinnerungen mit unterschiedlichen Prägungen in unterschiedlichen Quartieren und Winkeln eines Ortes. Unangenehme, üble, willkommene, glückliche, erhellende Bilder, die wiederbelebt werden. Aus solchen Bildern besteht (nicht nur die europäische) Weltliteratur und nicht nur die Literatur, sondern auch das persönliche Erleben, und daher doch auch die Literatur (das Theater, die Bildende Kunst) über London, Paris, New York, New York und so weiter.

Aber kurz bevor ich mich gerade an den Schreibtisch gesetzt habe, sind mir einige Blätter mit kritischen Stimmen über Zug in die Hände geraten. Da hiess es beispielsweise, dass Zug nicht städtisch sei. Im Vergleich zu welchem Ort? Und ich las, dass Zug zugebaut werde. Als wäre das Zubauen eine exemplarische Spezialität an diesem Ort und nicht auch in den Nachbargebieten, in Cham und Baar und weltweit.

Vor einem Jahr ist ein Buch von mir erschienen, in dem ich „eine im Eiltempo wachsende Stadt“ skizziere. Im Eiltempo wachsend. Diese Wendung habe ich einige Male wiederholt, weil der Trend rein allgemein unübersehbar ist, und er hat allmählich auch bedrohliche Aspekte. Eine Anregung zu diesem Buch war unter anderem Sennetts  „Fleisch und Stein“, andererseits die Realität.

Einmal kommt in meiner Stadtbeschreibung ein Bub vorbei und fragt kurzerhand, was das überhaupt schlimmste Wort sei. Die Antwort gibt er sofort selbst: Die Provinz.

Provinz ist ein Angstwort. Und sowohl die Provinz als auch die Angst sind überall anzutreffen, absolut überall.

 

ERGÄNZUNGEN

Zug hat sich in den zweiundzwanzig Jahren, seitdem ich die Stadt kenne, nicht erschreckend verändert. Hätte sie die allgemeinen zu beobachtenden Veränderungen nicht mitgemacht, müssten die Kritiker von einer Verschlafenheit reden.

Die Frage ist, welche persönlichen Verbindungen jemand zu welchem Ort hat. Statistische Erfassungen helfen wenig. Im Vergleich zu statistischen Erfassungen sind persönliche Erlebnisse pures Gold.

Ausgerechnet ich, die es in Zug vor Jahren mit 51% quasi gegen die eigene Person abbekommen hat, verteidige diesen Ort. Allerdings waren quasi 49% für mich. Hinzufügen muss ich, dass Entscheidungen (Abstimmungen, Wahlen) wo die Prozentzahlen 51 gegen 49 ermittelt werden, nicht typisch für Zug sind, sie sind beinahe (quasi) allgemeingültig.

 

 

SIMULIERTE FOTOS Nr. 3

 

Zug zeigt sich nackt.
Mit den Briefkastenfirmen,
mit erfolgreichen Betrieben
geht es hier ehrlich um die
Marktwirtschaft pur, die
an anderen Orten eher
versteckt, aber ebenfalls
intensiv betrieben wird,
im Gegensatz zur Nacktheit.
Die Marktwirtschaft
und die Metropolen.

 

Kürzlich habe ich mehre Häuser
in der Gubelstrasse und in
einer der Querstrassen gesehen.
Diese älteren Gebäude nehmen
sich mit ihren breit vorgebauten
grossen Balkonen gewinnend
und beinahe neu aus. Häuser
gewinnen mit ihren Balkonen.
Freunde erzählten,
dass die Gegend mit
den neuen Balkonen
früher ein Quartier
eher für Ausländer
war. Damals wohl
nicht gerade gut
angesehen, jetzt
aber zentral und
schön gelegen.
Die für mich in Zug
wichtigsten Personen
sollte ich aufzählen
und sie dabei so genau
beschreiben, dass sie
erkennbar werden,
erkennbar und haltbar.

 

Zum Glück gibt es in Zug
keine Festivals. Die
Invasion der Festivals
welcher Art auch immer.
Die Stadt und die Architektur.
Einfallsreiche Architekten, im
Hintergrund ihre Geldgeber.
Hintergrundgespräche
und Fehlschläge. Einige
Architekten gehen baden,
damit haben wir das Bild
von badenden Architekten
in der Stadt am Zugersee.

Falls jemand – ein Geschäftsmann, eine Geschäftsfrau – zum ersten Mal in Zug ankommt, nimmt er womöglich an, dass die Mitte der Stadt rund um den Bahnhof herum zu finden sei, im neu und gut gebauten und keineswegs ärmlichen Gebiet, wo er neben Geschäftshäusern attraktive Wohngebäude sieht, übrigens schon bei der Anfahrt, schon vom Zug aus. Und während er (oder sie) sich in dieser Umgebung bald zurechtfindet, könnte er annehmen, dass die Altstadt, bzw. das angrenzende ältere Stadtgebiet, vorwiegend für den Tourismus bestimmt sei. Sollte er absolut in Klischees denken, wobei die Darstellung der soeben angekommenen Person mit seiner Sehensweise ebenfalls einem Klischee gleichkommt und damit, wie jedes Klischee, zum Teil der Wirklichkeit entspricht (was ebenfalls keine neue Aussage ist), sollte der Fremde so denken, könnte er sogar unterstellen, dass man den älteren Kernbereich der Stadt extra für die Touristen erbaut hätte.

Wer weiss, was manche Leute denken, und interessant ist auch, dass es für das Nichtdenken kaum ein treffendes Wort gibt.

Interessant wäre ausserdem ein Vergleich zwischen den Besuchern der Stadt, die mit einer fix vorgegebenen Aufgabe anreisen und denen, die sich umschauen wollen.

Aber hervorzuheben ist vor allem, dass Zug auch in der innersten Innenstadt auffallend schön ist. Wenn jemand dieser Stadt am Zugersee etwas vorwerfen wollte, hätte es keinen Sinn, ausgerechnet bei ihrem Erscheinungsbild zu beginnen.

Das Wort schön war mir im Zusammenhang mit Zug schon vor gut zwanzig Jahren ein Anliegen, so dass ich es damals oft wiederholte, und jetzt habe ich es neu herbeizitiert. Dieses Wort ist ein Extrakt, zusammengepresst wie etwa die Bezeichnung Nescafe. Weniger gepresst könnte man auch ansehnlich sagen. Zug ist ansehnlich: Von der Uferpromenade aus, vom Zitturm aus, der Blick vom Zugerberg hinab gefällt mir ausnehmend gut (ausnehmend gut ist eine beachtliche Verlängerung von schön, beinahe eine Verwässerung). Zudem haben sich im Uferbereich die Geschäfte weniger verändert als in manchen anderen Städten. Selbst die Buchhandlung dort unten ist geblieben, obwohl Buchhandlungen sonst europaweit vom Aussterben bedroht sind.

Bei näherem Hinschauen tauchen aber auch Unstimmigkeiten auf, beispielsweise gibt es die Hauptpoststelle nicht mehr. Das klassizistisch anmutende, an einem zentralen, guten (schönen) Ort gelegene, die Stadtstruktur und die Laufwege der Einwohner betonende Postgebäude hat seine Dienste aufgeben müssen.

Wer hat diese Veränderung herbeigeführt? Die Postverwaltung, die Stadtverwaltung? Neu angelernte Philosophen? Philosophengeschäftsleute?

Vor einigen Tagen ging ich mit einer Freundin durch die bekannten Stadtstrassen, kam dann zur ehemaligen Hauptpoststelle und sah das Desaster. Der zuvor wohl überlegte Standort hat sich wegen einer neuen Standortphilosophie in eine Leerstelle verwandelt. Das Gebäude ohne Funktion schaut gähnend leer zum See hinüber.

Neue Standortphilosophie, neue, beschleunigte Erwägungen, darum geht es womöglich. Das Wort Philosophie, die Liebe zum Denken, hat sich verändert, jetzt geht es um Standortkalkulationen, die nicht einmal logisch sein müssen.

Am Nachmittag, kurz bevor ich am Bahnhof ankam, bin ich auch diesmal jungen Frauen mit ihren Kindern begegnet, die mit ihren Kleinen englisch sprachen. Mehrere hübsche Frauen unterhielten sich mit ihren hübschen Kindern englisch. Andere junge Mütter sprachen russisch, und selbstverständlich war ich froh, manche Wortsplitter verstanden zu haben. Jedenfalls sollte ich einmal einige Stunden in der Nähe der Bahnhofstrasse verbringen, um herauszufinden, wie viele Sprachen diese zukunftsträchtigen Personen sprechen, und ob diese Sprachen nur einen geschäftlichen Hintergrund haben.



Simulierte Fotos Nr. 2

 

Im September wollte ich
die Kirschbäume sehen,
die zu allen Jahreszeiten
zum See hinabschauen.
Dazu kam ich leider nicht.

 

Es lebe die Zuger Kirschtorte,
die es mit der Sachertorte aus
Wien zwar nicht aufnehmen
kann, aber sie wird fortleben,
selbst, wenn es die Zuger
Kirschbäume nicht mehr gibt.
Kirschtorte und Sachertorte
als Spezialitäten sind nicht
die einzige Verbindung
zwischen Wien und Zug,
und wer Näheres wissen
möchte, schaut sich bitte im
Kunsthaus gründlich um.
Die Gärten der Freunde
in Zug, die Sitzplätze in
diesen Gärten, die Aussicht,
die Freundlichkeit an den
Tischen in den Gärten,
Tischfreuden, meist abends.

 

Blick von der Zuger Hanglage
Zum See hinab, Blick aus den
Gärten der Freunde zum See
hinab, hinab, zum See hinab,
über die Stadt hinweg.
Johanna und Hans-Peter hatten
den schwarzen Kater Liliom
zwei Dekaden lang gepflegt,
gehegt, gefüttert, gestreichelt,
haben mit ihm katerig geredet.
Das ist die kurze Version der
Geschichte, die kurze Ode.

 

Wieder ein Mittagessen
im Kunsthaus Zug, eine
Lasagne, duftend, dann ein
Espresso. Diesmal habe
ich mir aus dem guten
Sortiment des Hauses keine
Kunstkarten ausgesucht,
daheim angekommen fehlten
sie mir, aber diesmal sass ich
einfach da im Museumsbistro
und sammelte Erinnerungen,
die mit dem Gebäude selbst
zu tun hatten und bin in die
Erinnerungen hineingefallen. Wahrscheinlich war ich in
Zug nirgendwo so oft wie in
diesem Haus, und mein Mann,
der für seine Aufnahmen,
„Handlauf“ genannt, mit der
Kamera konkret durch die Welt
läuft und eine Vielzahl solcher
Handläufe im Kunsthaus schon
gezeigt hat, wird bald versuchen,
durch die Erinnerungen zu laufen, für Filme von Erinnerungen.
Ich versuche es jetzt bereits, mit
allen zufälligen und vereinbarten
Begegnungen bei den Vernissagen.
Panoramabilder mit Personen. Derzeit liegt unten am Zugersee
„The Ship of Tolerance“, ein
Segelschiff, das im Internet noch
intensiver wirkt als in Wirklichkeit,
dort wird es für immer abzurufen
sein. Und das Schiff liegt an jenem
See, der mit seinen Lichtspielen,
gerade von der Stadt aus gesehen,
praktisch jeden anderen See
aussticht, was vor allem an den
topographischen Verhältnissen
liegt. Topographie und das Licht!

Vor gut zwei Jahrzehnten war Zug für mich die Tür in die Schweiz, was unter anderem auch daran lag, dass mich gleich zu Beginn mehrere Leute fragten, wie ich Zug finden würde, was ich von Zug hielte. Manche Leute sprachen mich auf der Straße an und wollten umgehend meine Ansichten kennenlernen, meine Zuger Ansichten, so dass ich mir überlegen musste, was sie überhaupt meinten. Meinten sie Zug, die Stadt mit ihrer schönen Lage oder als typischer Teil Schweiz, Zug als Schweizer Stadt, Zug im Gegensatz zu Zürich oder zu Basel? Haben die Fragenden von mir irgendwelche Vergleiche erwartet, obwohl ich die Schweiz damals kaum kannte? Zunächst versuchte ich, dieses Nichtkennen zu erklären. Aber vielleicht ging es weder um Antworten, noch um Vergleiche, sondern um selbstbewusste – ja, selbstbewusste – Willkommensfragen.

Vom ersten Tag an schaute ich – selbst von meiner Wohnung aus – zum See hinab, täglich hatte ich den Blick auf die Stadtstrassen und die Wasserfläche, und während ich allmählich sah, dass der Zugersee sich mit einer Geschwindigkeit und mit einer Häufigkeit verändern kann wie kein mir bekannter See sonst, hatte ich allmählich Antworten bereit. Ich sagte, dass der Zugersee mitsamt der Stadt auch für mich an Konturen gewonnen habe. Dadurch kam ich mit einigen Personen näher ins Gespräch.

Ende Juli oder Anfang August erklärten mir einige Zuger, dass die Tage nun herbstlich seien. Herbstliche Tage mitten im Hochsommer! Diese Beobachtung wirkte erschreckend, geradewegs lebensverkürzend.

Aber es blieb bis in den Herbst hinein sommerlich, und das Licht wechselte weiterhin einfallsreich.

 

 

Erste Fotosimulationen aus Zug

 

Vor der Hauptpost hält mich
eine ältere Dame an. Sie
fragt, was ich von Zug halte.
Ich schaue ihr einfach in die
Augen und weiss nicht, was
sie mit der Frage meint.
Ein Fest in der Wohnung
der Stadtbeobachterin.
Peter Dalcher und seine
Frau Hanni sind dabei.
Sie sind die Ältesten und
Zugleich die Jüngsten,
was auf Anhieb sichtbar ist.
1993 und 1994 gibt es in
Zug noch 2 Zeitungen und
die Stadtbeobachterin, ich,
schreibe für sie, vor allem
für eine der beiden. Es gibt
mitunter gute Gespräche.
Im Kunstmuseum sitze
Ich oft, lese Zeitungen,
trinke ein Espresso,
kaufe sehr gut sortierte
Künstlerkarten und
geniesse und brauche
die anregende Ruhe.

 

Erste Streifzüge
mit Ursula Bossard.
Bildende Kunst in
den Vorder- und
Hinterhöfen, so dass
ich am Ende vielleicht
alle Bilder der Stadt
kennenlernen werde.
Gleich zu Beginn die Allmende,
von der ich früher nichts wusste.
Allmende ist ein neues Wort
für mich und der Ausgangspunkt
für ausgiebige PedaloFahrten,
die wiederum, die Fahrten mit
einem Pedalo, bedeuten quasi
die Sommersehnsucht, sie
bedeuten den erfahrbaren See.

 

Weit hinein in den See,
mit dem Tretboot auf dem
Wasser, von dort aus der
Blick zurück auf die Stadt.
Von wegen
Briefkastenfirmen!
Pedalofahrten und
Allmende!
Als ich in Zug ankam, habe ich zu
vergleichen gelernt. Das Licht in Zug!
Wenn ich wüsste, was Stolz bedeutet,
würde ich von Stolz reden. Ich habe
das Licht schnell entdeckt, das habe
ich, und später erst erfahren, dass
William Turner dieses Licht längst vor
mir entdeckt hatte. Es geht um seine
Bestätigung, um eine vorangehende
Bestätigung. Womöglich war er stolz,
vor allem aber war er wohl froh.
Als ich in Zug ankam,
gab es viele Fragen,
auch Zeitungsfragen.
Damals war der Fotograf
Andreas Grosz dabei,
heute u.a. Verleger,
aber damals legte er
sich an der Allmende
auf die Bepflasterung,
und ich kann mich an
sein Lachen erinnern,
während er fotografierte.
Bei einer Führung durch
das alte Rathaus fiel mir
ein Theaterstück ein.
Über das beachtliche Rathaus und
auch über das Stück wäre
viel zu sagen. Das Stück gibt
es inzwischen, es wurde
im Casino uraufgeführt.



Im Kopf Erinnerungsfotos
von Zug. Sehr viele. Sie
könnten einen Zug-Foto-
Roman ergeben. Demnächst
geht es um die Hänge mit
den Zuger Kirschbäumen.

– Inventar des Dazwischen

Die Zuger Schleife sticht ins Auge: Zusammen mit den SBB-Gleisen umrahmt sie das Gebiet westlich des Bahnhofs in Form eines seitenverkehrten Q und lässt es auf Stadtplänen, Landkarten und Satellitenbildern deutlich hervortreten. Jedenfalls tat sie das bis vor Kurzem. Heute ist die markante Struktur in Auflösung begriffen.

Auch das von ihr umfasste Gebiet befindet sich im Wandel: Die heterogen besetzte Randzone, die jahrzehntelang durch die Entwicklung von Landis&Gyr geprägt war, wird zu einem kompakten Stadtquartier umgebaut. Noch sind Bruchlinien sichtbar. Eine Spurensuche entlang von dem, was bald nicht mehr oder noch nicht ist – und eine Bestandesaufnahme.


Siemens-Areal (Nord)

avz_si_p08_01 avz_si_p08_02

Es gibt keinen anderen Ort westlich des Bahnhofs, wo Vergangenheit und Zukunft sich so spür- und sichtbar durchwirken. Der Theilerplatz schwebt zwischen Ab- und Aufbruch. Jedes Mal, wenn ich auf einer meiner Exkursionen hier vorbeikomme, treffe ich ihn verändert an. Der «Platz» befindet sich in einem permanenten Wandel ohne je zu einer endgültigen Form zufinden. Wenn sich hier etwas verfestigt hat, ist es der Übergang.

Weiterlesen …

– Inventar des Dazwischen

Die Zuger Schleife sticht ins Auge: Zusammen mit den SBB-Gleisen umrahmt sie das Gebiet westlich des Bahnhofs in Form eines seitenverkehrten Q und lässt es auf Stadtplänen, Landkarten und Satellitenbildern deutlich hervortreten. Jedenfalls tat sie das bis vor Kurzem. Heute ist die markante Struktur in Auflösung begriffen.

Auch das von ihr umfasste Gebiet befindet sich im Wandel: Die heterogen besetzte Randzone, die jahrzehntelang durch die Entwicklung von Landis&Gyr geprägt war, wird zu einem kompakten Stadtquartier umgebaut. Noch sind Bruchlinien sichtbar. Eine Spurensuche entlang von dem, was bald nicht mehr oder noch nicht ist – und eine Bestandesaufnahme.


Siemens-Areal (Süd)

avz_si_p07_01 avz_si_p07_02

Der Blick geht nach oben, der Kopf legt sich in den Nacken. Fensterreihe türmt sich auf Fensterreihe bis zur Dachkante, wo das Gebäude den Himmel berührt. 80 Meter ragt der dunkle, schlanke Solitär in die Höhe. Der Blick senkt sich wieder. Viele Rollläden sind heruntergelassen. Durch manche Scheiben sind Einrichtungsgegenstände zu erkennen. Die Gebäudehülle aus schlichten Fensterelementen bietet nichts, das den Blick fesseln könnte.

Weiterlesen …

– Inventar des Dazwischen

Die Zuger Schleife sticht ins Auge: Zusammen mit den SBB-Gleisen umrahmt sie das Gebiet westlich des Bahnhofs in Form eines seitenverkehrten Q und lässt es auf Stadtplänen, Landkarten und Satellitenbildern deutlich hervortreten. Jedenfalls tat sie das bis vor Kurzem. Heute ist die markante Struktur in Auflösung begriffen.

Auch das von ihr umfasste Gebiet befindet sich im Wandel: Die heterogen besetzte Randzone, die jahrzehntelang durch die Entwicklung von Landis&Gyr geprägt war, wird zu einem kompakten Stadtquartier umgebaut. Noch sind Bruchlinien sichtbar. Eine Spurensuche entlang von dem, was bald nicht mehr oder noch nicht ist – und eine Bestandesaufnahme.


Grafenau

avz_si_p06_01

avz_si_p06_02

«Grafenau 1, 3» – das erste Mal, als ich das Strassenschild sah, stand noch «Albisstrasse» darauf, da bin ich mir ganz sicher. Ich erinnere mich daran, weil ich nach dem Schild gesucht hatte. Ich wollte wissen, wie die Adresse des alten Hauses lautet, das ich eben entdeckt hatte.

Weiterlesen …

– Inventar des Dazwischen

Die Zuger Schleife sticht ins Auge: Zusammen mit den SBB-Gleisen umrahmt sie das Gebiet westlich des Bahnhofs in Form eines seitenverkehrten Q und lässt es auf Stadtplänen, Landkarten und Satellitenbildern deutlich hervortreten. Jedenfalls tat sie das bis vor Kurzem. Heute ist die markante Struktur in Auflösung begriffen.

Auch das von ihr umfasste Gebiet befindet sich im Wandel: Die heterogen besetzte Randzone, die jahrzehntelang durch die Entwicklung von Landis&Gyr geprägt war, wird zu einem kompakten Stadtquartier umgebaut. Noch sind Bruchlinien sichtbar. Eine Spurensuche entlang von dem, was bald nicht mehr oder noch nicht ist – und eine Bestandesaufnahme.


Areal An der Aa

avz_si_p05_01

avz_si_p05_02

Nach der Brücke über die General-Guisan-Strasse verändert sich das Aussehen des Schleifedamms völlig. Er präsentiert sich nun als laternengesäumter Weg, der als Abkürzung zwischen Gaswerkareal und Bahnhof Schutzengel beliebt ist. Nach Osten überblickt man vom Weg aus die Werkstätten der Zugerland Verkehrsbetriebe (ZVB). Durch die offenen Tore sind Männer in blauen Arbeitskleidern zu sehen, die sich an Fahrzeugen zu schaffen machen. Am Fuss des Damms stehen Privatwagen – wohl die Autos der Angestellten. Ein Stück weiter fällt mein Blick auf die Ecke eines Holztischs. Auch die Hälfte einer Gartenbank und die Spitze eines zusammengeklappten Sonnenschirms sind sichtbar – das Pausenrefugium der Mechaniker? Es drückt sich zwischen parkierten Autos und schrottbeladenen Mulden so eng an den Damm, dass es von oben her kaum zu sehen ist.

Weiterlesen …

– Inventar des Dazwischen

Die Zuger Schleife sticht ins Auge: Zusammen mit den SBB-Gleisen umrahmt sie das Gebiet westlich des Bahnhofs in Form eines seitenverkehrten Q und lässt es auf Stadtplänen, Landkarten und Satellitenbildern deutlich hervortreten. Jedenfalls tat sie das bis vor Kurzem. Heute ist die markante Struktur in Auflösung begriffen.

Auch das von ihr umfasste Gebiet befindet sich im Wandel: Die heterogen besetzte Randzone, die jahrzehntelang durch die Entwicklung von Landis&Gyr geprägt war, wird zu einem kompakten Stadtquartier umgebaut. Noch sind Bruchlinien sichtbar. Eine Spurensuche entlang von dem, was bald nicht mehr oder noch nicht ist – und eine Bestandesaufnahme.


Gaswerkareal

avz_si_p04_01

avz_si_p04_02

Der Parkplatz neben dem alten Bahndamm ist so gross, dass er die umliegenden Gebäude in die Ferne rückt. Er erstreckt sich vom Damm, der hier in eine Kurve übergeht, über die gesamte Breite des Gaswerkareals bis zur Aabachstrasse. Die plötzliche Weite tut gut. Die Frage, ob es überhaupt erlaubt ist, sich auf dem Damm aufzuhalten, verflüchtigt sich.

Weiterlesen …

– Inventar des Dazwischen

Die Zuger Schleife sticht ins Auge: Zusammen mit den SBB-Gleisen umrahmt sie das Gebiet westlich des Bahnhofs in Form eines seitenverkehrten Q und lässt es auf Stadtplänen, Landkarten und Satellitenbildern deutlich hervortreten. Jedenfalls tat sie das bis vor Kurzem. Heute ist die markante Struktur in Auflösung begriffen.

Auch das von ihr umfasste Gebiet befindet sich im Wandel: Die heterogen besetzte Randzone, die jahrzehntelang durch die Entwicklung von Landis&Gyr geprägt war, wird zu einem kompakten Stadtquartier umgebaut. Noch sind Bruchlinien sichtbar. Eine Spurensuche entlang von dem, was bald nicht mehr oder noch nicht ist – und eine Bestandesaufnahme.


Gartenstadt

avz_si_p03_01
avz_si_p03_02

«Stadt Zug Gartenstadt» tippe ich in die Google-Suchzeile ein. Ich will mich über die historische Arbeitersiedlung schlau machen, deren hinterste Häuser an den alten Bahndamm angrenzen. Bei einigen Häusern habe ich Lücken in den Hecken zum Damm entdeckt. Sie verbinden die Liegenschaften mit Pflanzplätzen, die ihre Bewohner im schmalen Streifen am Fuss des Damms angelegt haben. Andere führen zu Trampelpfaden über den Damm. Die Szenerie entlang des langen, graden Stücks der ehemaligen Wendeschleife, das sich Richtung See erstreckt, hat etwas Verträumtes.

Weiterlesen …

– Inventar des Dazwischen

Die Zuger Schleife sticht ins Auge: Zusammen mit den SBB-Gleisen umrahmt sie das Gebiet westlich des Bahnhofs in Form eines seitenverkehrten Q und lässt es auf Stadtplänen, Landkarten und Satellitenbildern deutlich hervortreten. Jedenfalls tat sie das bis vor Kurzem. Heute ist die markante Struktur in Auflösung begriffen.

Auch das von ihr umfasste Gebiet befindet sich im Wandel: Die heterogen besetzte Randzone, die jahrzehntelang durch die Entwicklung von Landis&Gyr geprägt war, wird zu einem kompakten Stadtquartier umgebaut. Noch sind Bruchlinien sichtbar. Eine Spurensuche entlang von dem, was bald nicht mehr oder noch nicht ist – und eine Bestandesaufnahme.


Schleife Nord (West)

avz_si_p02_01n avz_si_p02_02n

Irgendwo müssen hier die Nussbäume stehen. Der Unterton, in dem sie erwähnt wurden, liess erahnen, wie imposant sie sind. Doch da, wo ich die prächtige Allee vermute, sind keine alten Bäume zu finden. Das Bahntrassee selbst wirkt wie leergefegt. Ein Gras bewachsenes Band zieht sich der Wohnsiedlung entlang, welche die Schleife hier ausfüllt. Zwischen der Überbauung und dem Trassee verläuft ein Graben, der von einem schmalen Bachlauf durchzogen ist. Eine Betonbrücke führt hinüber. In ihre Geländer ist weithin sichtbar der Name Feldhof eingegossen. Das Rinnsal, das die Monotonie der Grasbandes wenigstens etwas auflockert, vermag an meiner Enttäuschung darüber, dass die Nussbäume verschwunden sind, nichts zu ändern.
Weiterlesen …

– Inventar des Dazwischen

Die Zuger Schleife sticht ins Auge: Zusammen mit den SBB-Gleisen umrahmt sie das Gebiet westlich des Bahnhofs in Form eines seitenverkehrten Q und lässt es auf Stadtplänen, Landkarten und Satellitenbildern deutlich hervortreten. Jedenfalls tat sie das bis vor Kurzem. Heute ist die markante Struktur in Auflösung begriffen.

Auch das von ihr umfasste Gebiet befindet sich im Wandel: Die heterogen besetzte Randzone, die jahrzehntelang durch die Entwicklung von Landis&Gyr geprägt war, wird zu einem kompakten Stadtquartier umgebaut. Noch sind Bruchlinien sichtbar. Eine Spurensuche entlang von dem, was bald nicht mehr oder noch nicht ist – und eine Bestandesaufnahme.


Schleife Nord (Ost)

avz_si_p01_01n avz_si_p01_02n

Eine Strasse, die an einem Zaun endet. Ich entdeckte sie bei meinem ersten Erkundungsrundgang entlang der Schleife. Wie abgeschnitten sieht sie aus. Eine gelbe Mobil-Toilette steht verloren am Rand. Typisches Baustellenmobiliar. Wurde sie vergessen? Der Zaun grenzt die gepflegten Grünflächen im Feldpark vom Niemandsland der Bahnbrache ab.

Weiterlesen …

Wuchs im Kanton Uri auf und wohnt heute in Bern. Zug kennt sie vor allem vom Zugfenster aus. Sie studierte Bildende Kunst / Medienkunst an der HGK Basel und erwarb den Master of Art in Fine Arts, Art in Public Spheres an der HSLU – Design & Kunst.

Das performative Erforschen von Orten und Räumen bildet gleichermassen Ausgangspunkt wie Ziel ihrer ortspezifischen und raumbezogenen Arbeiten. Dabei geht es immer auch um das eigene Sich-In-Bezug-Setzen zum jeweiligen Ort des Interesses.


www.kunst-forum.ch

avz_sw_p02_01

Die Gotthardlinie und eine ehemalige Elektrozähler-Fabrik, eine ominöse Umbettschleuse, ein skurriles Keramikkunstwerk und ein Bundesgerichtsentscheid wegen Keimgefahr. Zug Süd und das Areal des alten Kantonsspitals stecken voller Geschichten. Auf Entdeckungsreise mit Georg Frey und Sabine Windlin.

Sabine Windlin: Wir stehen auf der Dachterrasse des elfgeschossigen, ehemaligen Personalhauses des Kantonsspitals Zug. Hinter uns liegt der See, vor uns das Quartier Zug Süd. Welche Bauten sehen wir?

Georg Frey: Aus dem Mittelalter sehen wir die Altstadt mit ihren Befestigungs- und Kirchtürmen, den Pulver-, Kapuziner- und Huwylerturm, und mitten in der Stadt die Kirche St. Oswald. Bis zur Vollendung der Stadtbefestigung vor 500 Jahren gab es südlich der Stadt kaum Bauten. Zu den ersten gehörten die Kapelle und das Beinhaus St. Michael, der Zurlaubenhof und am Oberwiler Kirchweg die Beatuskapelle und das Tschuopishaus. Im 19. Jahrhundert ging es dann südlich der Altstadt plötzlich Schlag auf Schlag. 1827 baute man die Strasse nach Arth und 30 Jahre später die Kranken- und Pfrundanstalt, das spätere Bürgerspital. Dann folgten die Knabenschule Athene und das Institut St. Michael, und 1878 wurde mit dem Theilerhaus der Grundstein der späteren Landis&Gyr gelegt. Kurz darauf entstanden die ersten Villen am Oberwiler Kirchweg und die Pfarrkirche St. Michael. Erst kurz vor bzw. nach 1900 wurden die Gleise für die Gotthard-Bahn und das Zugerberg-Tram verlegt.

avz_sw_p02_02

Weiterlesen …

– Zug vom ersten bis zum letzten Zug

Ich bin in Baar aufgewachsen, habe meine Jugend in Zug verbracht. Weggezogen hat es mich bald. Ich hatte mich nie wirklich heimisch gefühlt in Zug, und doch ist diese Stadt Teil meiner Biografie. Also entschied ich, für diesen Blog wieder einmal einen ganzen Tag in Zug zu verbringen – vom ersten bis zum letzten Zug.


Von 18 bis 24 Uhr

Als ich mich in einem Café in der Altstadt aufwärme, überhöre ich das Gespräch zweier Männer neben mir. Auf Englisch unterhalten sie sich über die Integration von Flüchtlingen. Ich spreche sie an, sie arbeiten für einen grossen Konzern, sind seit zwei Jahren in Zug, ein Franzose und ein Rumäne. Sie entschuldigen sich für ihr schlechtes Deutsch, mit Zugern hätten sie kaum Kontakt. Zug gefällt ihnen aber sehr, sagen sie, die Natur sei fantastisch, die zentrale Lage, und wieder der See.
Kurz zuvor war ich noch im See gestanden. Eine Installation von Roman Signer macht‘s möglich, eine steile Treppe führt ins Wasser, durch eine Scheibe blickt man in das sanfte Grün, das Licht bricht sich an der Oberfläche. Mit etwas Geduld kann man Fische vorbeiziehen sehen. Geduld haben aber die wenigsten, die herunterkommen, ein kurzer Blick ins Leere, dann steigen sie wieder hoch.

Um 20 Uhr treffe ich Celestin am Bahnhof, er ist 18, in Zug aufgewachsen, nicht immer hatte er es einfach mit seinem Drang, seinen Platz zu finden in dieser Gesellschaft, in dieser Stadt. Schnell kommen wir wieder auf die Natur zu sprechen, er mache eine Lehre als Landschaftsgärtner, die Arbeit gefällt ihm, doch mit dem Betrieb ist er nicht ganz zufrieden. Zu oft werde hier gegen die Natur gearbeitet, gerade im Kanton Zug hätten die Leute gerne sterile, saubere Gärten. Ich muss an die Fotos denken, die ich am Nachmittag gemacht habe.

Weiterlesen …

– Zug vom ersten bis zum letzten Zug

Ich bin in Baar aufgewachsen, habe meine Jugend in Zug verbracht. Weggezogen hat es mich bald. Ich hatte mich nie wirklich heimisch gefühlt in Zug, und doch ist diese Stadt Teil meiner Biografie. Also entschied ich, für diesen Blog wieder einmal einen ganzen Tag in Zug zu verbringen – vom ersten bis zum letzten Zug.

 

Von 12 bis 18 Uhr

Nach dem Gespräch mit Adam beschliesse ich, ein bisschen durch die Quartiere zu streifen, die zum Teil noch gar nicht existierten, als ich noch in Zug gewohnt habe. In Richtung Baar komme ich am Induktua vorbei. Der Denkmalschutz hat es gerettet, trotzdem erkenne ich das mir wohlvertraute Gebäude nicht darin wieder. Vor zehn Jahren beheimatete es Künstler und Musiker, ein lebendiger Treffpunkt, er musste Loftwohnungen weichen. Der Denkmalschutz beschäftigt sich nur mit der Fassade, nicht mit dem Inhalt, denke ich und biege links ab in die Unterführung, früher ein Verkehrsnadelöhr, jetzt das breite Tor zu den neuen Quartieren, die sich hinter den Geleisen erstrecken. Zwischen verglasten Terrassen und leeren Spielplätzen fühle ich mich ein bisschen wie ein Eindringling, überwältigt betrachte ich die Balkone. Plötzlich wird die strenge Geometrie gebrochen von zwei grossen Vögeln auf Balkongeländern. Plastikvögel, wohl um die echten davon abzuhalten, in die Scheiben zu donnern. Der Natur wird ihr Platz zugewiesen. Daran muss ich denken, als ich umkehre, ich möchte an der Kantonsschule vorbeispazieren, die ich sieben Jahre lang besucht habe.

avz_me_p03_01

Weiterlesen …

– Zug vom ersten bis zum letzten Zug

Ich bin in Baar aufgewachsen, habe meine Jugend in Zug verbracht. Weggezogen hat es mich bald. Ich hatte mich nie wirklich heimisch gefühlt in Zug, und doch ist diese Stadt Teil meiner Biografie. Also entschied ich, für diesen Blog wieder einmal einen ganzen Tag in Zug zu verbringen – vom ersten bis zum letzten Zug.

 

Von 9 bis 12 Uhr

Nur zwei Bilder habe ich geschossen zwischen 9 und 12 Uhr, eines von Adam beim Kaffee im Coop-Restaurant, mit Blick auf den Bundesplatz, der für mich immer noch Epaplatz heisst. Kurz vor Mittag füllt sich der Raum, gesprochen wird meist Englisch. Adam und ich unterhalten uns auf Deutsch. Er lacht: nun hat er sich so Mühe gegeben, die Sprache zu lernen, und dann würden die Leute hier gar nicht Deutsch, sondern Schweizerdeutsch sprechen.

Das andere Bild schoss ich vom Bahnhof. Dort treffe ich Adam. Dort traf Adam ein vor bald zwei Jahren, dort endete seine Flucht aus dem Tschad.

Weiterlesen …

– Zug vom ersten bis zum letzten Zug

Ich bin in Baar aufgewachsen, habe meine Jugend in Zug verbracht. Weggezogen hat es mich bald. Ich hatte mich nie wirklich heimisch gefühlt in Zug, und doch ist diese Stadt Teil meiner Biografie. Also entschied ich, für diesen Blog wieder einmal einen ganzen Tag in Zug zu verbringen – vom ersten bis zum letzten Zug.

 

Von 6 bis 9 Uhr

Ich nehme den ersten Schnellzug aus Zürich, Ankunft um 6:01 Uhr. Noch sind wenige Menschen unterwegs, Putzfrauen bewegen sich lautlos hinter grossen Glasfenstern. Eine defekte Leuchtanzeige flimmert nervös. Eine Büroetage ist hell erleuchtet, in der Neustadtpassage wird Gemüse eingeräumt.

Weiterlesen …

avz_ag_p05_01

Eben hatten mein Schulfreund und ich den Spielwarenladen Franz Carl Weber verlassen und uns zu den Leuten gesellt, die an der Haltestelle Steinhof einen der blauen Autobusse der Zugerland Verkehrsbetriebe erwarteten. Ich nahm das letzte Bild des Tages auf. Die Dämmerung hatte eingesetzt, die Verschlusszeit des Fotoapparats musste verlängert werden. So verwackelte ich die Aufnahme, und das erschwert heute die Betrachtung und Deutung der Details.

Könnte es sein, dass sich vor dem VOLG-Laden ein Marronihäuschen befand? Könnte es sein, dass das Kind in der Bildmitte – das Kind mit dem weissen Mantel und der weissen Zipfelmütze – eine Marronitüte in den Händen hielt?

Wahrscheinlich ist es vollkommen unmöglich, in Erfahrung zu bringen, was für einen Gegenstand das Kind in den Händen hielt. Genauso unmöglich dürfte es sein, heute, 43 Jahre später, herauszufinden, was das Geschenkpaket enthielt, das die schreitende Frau im Vordergrund unterm Arm trug.

Weiterlesen …

Spielwarengeschäft Franz Carl Weber, Bahnhofstrasse 28. Das Gebäude wird Steinhof genannt. Glas, Aluminium und weisse Steinbodenplatten, bei Nässe rutschig.

Seit ich ein Kind war, befindet sich an dieser Stelle dieser Laden. Vielleicht ist das bemerkenswert. Vielleicht ist es auch bemerkenswert, dass heute mehr als 90 weitere Firmen im Steinhof domiziliert sind. Ein Gedränge muss das sein. Ein paar Arztpraxen sind ja auch noch da.

Bei Franz Carl Weber, in diesem Paradies, endete der Spaziergang, der meinen Schulfreund und mich nach Unterrichtsende durch die Stadt geführt hatte.

Unser Mathematiklehrer war ein grosser, schöner, rätselhafter Mann. Ich tat in seinen Lektionen nichts anderes, als seinem Blick auszuweichen. Er hatte sich irgendwann im laufenden Schuljahr den Spass erlaubt, uns mit «Kinder» anzureden. Das hatte uns 14-Jährige heftig empört.

Im Kinderparadies hielt ich mir wieder den Fotoapparat vors Gesicht und machte ein Bild von diesem Kind, das mit Legos spielte. Beide spielten wir: das Kind mit Legos, ich mit dem Fotoapparat.

Zug Steinhof Franz Carl Weber Dezember 1972

Weiterlesen …

Zug Bahnhofstrasse Dezember 1972

Die Bahnhofstrasse 1972 mit Weihnachtsschmuck. Er bestand aus stilisierten goldenen Schneesternen mit blauen oder roten Kugeln, sofern mein Gedächtnis mich nicht täuscht.

Auf der linken Strassenseite der Anfang der Schmidgasse. Das Modegeschäft Schild erweiterte gerade sein Gebäude: «Umbau/Aufbau».

Wer oder was war Horta?

Auf der rechten Strassenseite das Restaurant Spring mit seinen Kegelbahnen (Bahnhofstrasse 12), das Hotel Pilatus (Nr. 14), die Druckerei Zürcher (Nr. 16), das Fotogeschäft Huwyler, wohin ich ab und zu Filme zum Entwickeln brachte (Nr. 18).

Und die Molkerei im Vordergrund, offenbar die Nr. 10: Wer arbeitete dort? Wer kaufte dort Milch? Wem gehörte sie?

Weiterlesen …

Mein Vater hatte mir seinen Fotoapparat ausgeliehen, es war eine Spiegelreflex-Kamera mit eingebautem Belichtungsmesser, eine Voigtländer Bessamatic. Sie war damals vielleicht zehn Jahre alt, aber mir kam sie uralt vor. Wollte ich Fotograf werden? Vielleicht. Wollte ich Erinnerungen festhalten? Kaum. Ich durfte einfach fotografieren, das genügte einstweilen. Und ich hatte den Apparat in die Schulmappe zu Büchern und Heften gepackt, in die Schule mitgenommen, nach Unterrichtsende würde ich Gelegenheit haben, ein paar Bilder zu machen, offenbar hatten wir an jenem Tag im Dezember 1972 frühzeitig frei, es war noch hell, es blieb noch ein wenig Zeit, um durch die Stadt zu schlendern und sich bei Franz Carl Weber im Steinhof umzusehen, so richtig vorbei war die Kindheit ja noch nicht. Obwohl. Ja, da war auch die erste, überwältigende Verliebtheit, und das war nicht mehr Kindheit, das war etwas anderes.

1972 war für mich ein modernes Jahr, ein Jahr der Versprechen. So empfand ich es damals, so ist es mir in Erinnerung geblieben. Wegen der Liebe? Vielleicht. Oder wegen der Politik? Aber hatte McGovern, der versprochen hatte, den Vietnam-Krieg zu beenden, hatte er gegen Nixon nicht haushoch verloren, gegen jenen Tricky Dicky, der seinem Spitznamen während des Wahlkampfs wieder einmal alle Ehre gemacht hatte (was aber erst später herausgekommen ist)?

1972 also, Dezember 1972. Hochnebel, graue Vorweihnachtszeit, kein Schnee.

Zug Cafeteria Plaza Dezember 1972

Weiterlesen …

Zug Hirschenplatz Dezember 1972

Das Foto habe ich vor vielen Jahren während eines Spaziergangs in Zug aufgenommen. Er führte vom Schulhaus Athene zum Spielwarengeschäft Franz Carl Weber.

Als ich ihr das Foto zeige, sagt die junge Frau im Fotogeschäft an der Ecke Ägeristrasse–Zeughausgasse: «Ich weiss, wo das ist. Dort werden auch heute noch Weihnachtsbäume verkauft». Und bei ihr, in diesem Laden, gibt es heute noch Filme zu kaufen, Fotopapiere, Fotochemikalien.

Vor ein paar Wochen habe ich ihr zwei Filme zum Entwickeln gebracht, zwei Kodak Tri X, und hole sie nun ab. Mit einem Kodak Tri X fotografierte ich auch damals, auf jenem Spaziergang vom Schulhaus Athene zum Spielwarengeschäft Franz Carl Weber.

Weiterlesen …

Das forum junge kunst dankt Michael van Orsouw für seine Ansichten von Zug.

Nach 50 Beiträgen von 10 Autorinnen und Autoren macht der Blog eine etwas längere Pause und startet Mitte Januar 2016 wieder mit neuen Beiträgen. Den Anfang wird dann der Schriftsteller Andreas Grosz machen.

Das forum junge kunst dankt den zahlreichen Leserinnen und Lesern für ihr Interesse und freut sich auf weitere spannende, interessante und überraschende Ansichten von Zug.