((12. Januar 2016))

Zug Hirschenplatz Dezember 1972

Das Foto habe ich vor vielen Jahren während eines Spaziergangs in Zug aufgenommen. Er führte vom Schulhaus Athene zum Spielwarengeschäft Franz Carl Weber.

Als ich ihr das Foto zeige, sagt die junge Frau im Fotogeschäft an der Ecke Ägeristrasse–Zeughausgasse: «Ich weiss, wo das ist. Dort werden auch heute noch Weihnachtsbäume verkauft». Und bei ihr, in diesem Laden, gibt es heute noch Filme zu kaufen, Fotopapiere, Fotochemikalien.

Vor ein paar Wochen habe ich ihr zwei Filme zum Entwickeln gebracht, zwei Kodak Tri X, und hole sie nun ab. Mit einem Kodak Tri X fotografierte ich auch damals, auf jenem Spaziergang vom Schulhaus Athene zum Spielwarengeschäft Franz Carl Weber.

Die Frau hat recht: Auf dem Hirschenplatz, beim Schwarzmurer-Brunnen, ein paar Schritte vom Fotoladen entfernt, dort werden auch im Dezember 2015 Weihnachtsbäume verkauft.

Dem Christbaumverkäufer und der Christbaumverkäuferin zeige ich das Foto ebenfalls. Die Frau sagt: «Das waren noch hauptsächlich Rottannen. Heute verkaufen wir viele Nordmann-Tannen.» Dann tippt sie mit dem Finger auf den Baum, der unter dem B von ZUMBÜHL steht: «Solche Besen wie den da könnte man heute nicht mehr verkaufen.»

ZUMBÜHL war ein Modegeschäft. Heute befindet sich ein Immobilienmakler in dessen Verkaufsräumen.

Und wer war der Junge, der, die Schulmappe in der linken Hand, leicht erstaunt ins Objektiv blickt? Mein Schulfreund. Heute ist er Lehrer, und zwar genau dort, wo wir damals Schüler waren: in der Athene. Also dort, wo unser Spaziergang begann, der uns nach Schulschluss die Hofstrasse, die Sankt-Oswalds-Gasse, die Zeughausgasse und die Bahnhofstrasse hinunter zum Spielwarengeschäft Franz Carl Weber führte.

Vor ein paar Jahren schenkte mir die spätere Frau des Jungen ihren alten Fotoapparat (Baujahr 1972), ein schweres, schwarzes Ding, das mich oft begleitet. Ich hänge an der alten Technik. Warum soll ich aufgeben, was ich mag?

Das Café Keiser (über der Confiserie Keiser, in der Bildmitte), das mochte ich auch. Ich versuche jetzt, mich an das Polster der Sessel und Stühle zu erinnern, an die Aussicht, an die Frauen, die servierten, an Geräusche und Gerüche oder an Gedanken, die ich hatte, wenn ich dort oben vor einer Tasse Kaffee sass, die Zeitungen las und, was nicht auszuschliessen ist, eine Zigarette rauchte.

Fortsetzung folgt.

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