((15. Februar 2016))

Spielwarengeschäft Franz Carl Weber, Bahnhofstrasse 28. Das Gebäude wird Steinhof genannt. Glas, Aluminium und weisse Steinbodenplatten, bei Nässe rutschig.

Seit ich ein Kind war, befindet sich an dieser Stelle dieser Laden. Vielleicht ist das bemerkenswert. Vielleicht ist es auch bemerkenswert, dass heute mehr als 90 weitere Firmen im Steinhof domiziliert sind. Ein Gedränge muss das sein. Ein paar Arztpraxen sind ja auch noch da.

Bei Franz Carl Weber, in diesem Paradies, endete der Spaziergang, der meinen Schulfreund und mich nach Unterrichtsende durch die Stadt geführt hatte.

Unser Mathematiklehrer war ein grosser, schöner, rätselhafter Mann. Ich tat in seinen Lektionen nichts anderes, als seinem Blick auszuweichen. Er hatte sich irgendwann im laufenden Schuljahr den Spass erlaubt, uns mit «Kinder» anzureden. Das hatte uns 14-Jährige heftig empört.

Im Kinderparadies hielt ich mir wieder den Fotoapparat vors Gesicht und machte ein Bild von diesem Kind, das mit Legos spielte. Beide spielten wir: das Kind mit Legos, ich mit dem Fotoapparat.

Zug Steinhof Franz Carl Weber Dezember 1972

Vier Aufnahmen machte ich an jenem Dezember-Nachmittag im Spielwarengeschäft Franz Carl Weber. Niemand verbot mir das Fotografieren oder verbat es sich. Oder vorsichtiger ausgedrückt: Ich kann mich nicht erinnern, dass es mir jemand verboten oder dass jemand es sich verbeten hätte. Hier ein weiteres Bild:

Zug Steinhof Franz Carl Weber Dezember 1972

Und noch etwas: In den frühen Siebzigern stand sommers neben Franz Carl Weber eine Soft-Ice-Maschine. Ein Mensch bediente Maschine und Kundschaft. Er fragte nach der gewünschten Sorte: Vanille, Erdbeere oder gemischt? Vanille war honiggelb, Erdbeere war purpurrot. 50 Rappen kostete die Portion. Soft Ice war der letzte Schrei. Inzwischen ist es aus der Mode gekommen. Ich wüsste nicht, wo es heute noch welches zu kaufen gäbe. Vielleicht ist es verboten worden. Vielleicht schmeckt es niemandem mehr. Wir waren darauf versessen.

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