18.02.2015: Bahnhof Zug – Gartenstadt

«Die „Tagesbevölkerung“ des Kantons Zug ist um rund 19’000 Personen grösser als die „Nachtbevölkerung“.»
(Pendlerstatistik, Fachstelle für Statistik, Kanton Zug)

«Die Pendlerströme gegenüber den Kantonen Zug und Zürich haben sich im letzten Jahrzehnt verdoppelt und neuerdings pendeln mehr Zürcher nach Zug als umgekehrt.» 
(Der Kanton Zug: Struktur und Perspektiven, Credit Suisse)

 

Der Pendler bewegt sich täglich auf derselben Wegstrecke zwischen Wohnort und Arbeitsstelle. Seine Ansichten von Zug formen sich auf dieser Wegstrecke. Welche Eindrücke haben diejenigen, welche diesen Ort Tag für Tag der Arbeit wegen streifen?

Diese Frage veranlasst Isabelle Marrel, verschiedenste Zugpendler anzusprechen. In einer kurzen Begegnung begleitet sie diese auf dem letzten Stück ihres Arbeitsweges vom Bahnhof Zug aus zu deren Arbeitsplatz und hört sich ihre Ansichten über die Stadt Zug an.

 

18.02.2015: Bahnhof Zug – Gartenstadt

Ich habe die letzten 10 Jahre immer an meinem Wohnort gearbeitet, Pendeln ist von dem her schon etwas Neues für mich. In diesen wenigen Arbeitstagen hier habe ich schon gemerkt, dass man hier genauso schnell zu Fuss die Arbeitsstelle erreicht wie mit ÖV. Anstatt entlang der schnellen Baarerstrasse, gehe ich meist auf den Parallelstrassen hinten durch zur Arbeit. Das ist viel angenehmer und spannender.

Beim Pendeln probiert man zu Beginn aus, wie man am schnellsten von A nach B kommt und wenn man das drauf hat, zieht man dies dann meist immer so durch. Man zirkelt ab, wann genau der Zug fährt und schaut, dass man ihn schnell erwischt.
Dann geht man direkt oder möglichst direkt vom Bahnhof ins Büro und wieder heim.

Als Pendler hat man überhaupt keinen touristischen Eindruck der Stadt. Wenn man sich die Homepage der Stadt Zug anschaut, denkt man „wow, das ist ja wahnsinnig schön hier“. Aber wenn man morgens um 07:30 Uhr mit dem Interregio in die Stadt einfährt, ist der Eindruck ein total anderer. Man ist unter Zeitdruck, anders, als wenn man auf dem Zugerberg spazieren geht oder am See flaniert.

Mich reizt es, auch noch andere Orte von Zug kennen zu lernen – solche, wo man eben nicht durchkommt beim Pendeln. Bis jetzt kenne ich einen Teil am See und einen Teil der Altstadt. Die Stadt als Ganzes muss ich durch meine berufliche Tätigkeit erst kennenlernen. Für mich ist diese Arbeit darum total spannend, weil ich so ständig Neues entdecken kann.

Speziell an Zug empfinde ich dieses Entwicklungsgebiet, wenn man von Zürich in die Stadt reinfährt. Das Ausmass an Bauten ist schon recht gross.
Wenn man durch die Altstadt geht, hat man nicht das Gefühl, am gleichen Ort zu sein. Bei anderen Städten wie Zürich und Bern hat es um diese Altstadt herum noch eine Stadt aus dem 19. Jahrhundert. In Zug treffen Altstadt und Neubauten fast unmittelbar aufeinander. Zug ist sehr dicht bebaut. Es ist eine Stadt mit vielen verschiedenen Gesichtern, die sich sehr stark unterscheiden. Wenn man von aussen her kommt, merkt man auch nicht wirklich, wo die Stadt anfängt und aufhört. Zug und Baar scheinen zusammenzuwachsen.

Ich bin gewohnt, in einer Stadt zu wohnen, die eine andere Masse hat, mit städtischen Wohnquartieren. Zug ist mir etwas zu klein als Stadt. Bern scheint mir da schon städtischer. Ich habe immer in grösseren Städten gewohnt – auf der ganzen Welt.
Zug ist für mich irgendwie nicht so eine Stadt, auch wenn es Merkmale einer Stadt hat. Es fehlt hier so etwas wie ein Stadtkörper, Masse. Die kleinteilige Altstadt hat schon etwas Städtisches. Sie ist sehr schön, aber irgendwie auch speziell mit diesen Lädeli, wo es gar nicht so normale Dinge zu kaufen gibt. Das Drumherum, was ich davon gesehen habe, empfinde ich schon nicht mehr als Stadt.
Vom Funktionellen her ist Zug wohl eine Stadt, aber auf mich hat sie nicht diese Wirkung. Wenn man von aussen kommt, scheint Zug schon recht klein.
Dieses Quartier Gartenstadt hier ist ein spezielles Gebiet. Ich glaube, ein Gebiet dieses Charakters gibt es in Zug sonst nicht.

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