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Patricia Jacomella Bonola

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Am Anfang des 19. Jahrhunderts wird der Begriff der Insel zum Kennzeichen für unsere Paradiessehnsucht. In Volkserzählungen wird die Insel oft als Ort der Idylle, der Zuflucht, aber auch als Ort der Verbannung und tödlicher Langeweile charakterisiert.

Die Insel ist von der vertrauten Welt getrennt, also in gewisser Weise isoliert und kann somit als Ort der Absonderung oder als Ort für eine ideale gesellschaftliche alternative Lebensform gesehen werden.

Die Sehnsucht nach einem paradiesischen Leben scheint eine Grundkonstante der menschlichen Existenz zu sein. In der kollektiven Vorstellungswelt der Schweizer Bevölkerung, verkörpert die Stadt Zug die Faszination dieses Insel-Motivs.

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Städte bestehen nicht nur aus Stein und Beton, sie bilden ein Soziogeflecht aus Handlungen und Begegnungen und sind vor allem die Summe der Aktionen und Interaktionen ihrer Bewohner.

Bei vielen Architekturen der Moderne gelingt es nicht Zwischenräume und öffentliche Orte zu erzeugen, die mehr als nur funktionale Verbindungen sind.

Wie könnte man einen Ort umfunktionieren und als möglichen Treffpunkt neu öffentlich nutzbar machen?
Als was sollte die perfekte Stadt fungieren? Als eine „selfmade city“, dessen architektonische Qualitäten sich den Notwendigkeiten des Alltags und an die neuen Erfordernisse anpassen, oder als eine mit durchrationalisierten Gebäuden, in der man sich ungeheure Mühe geben muss, um etwas Spontanität zuzulassen, da unser Benehmen von Normen und Vorschriften reguliert wird?

Als bebaute Umwelt nimmt die Architektur in Zug großen Einfluss auf das Arbeits- und Wohnleben, da die Stadt eine Vielzahl an räumlichen Strukturen und Infrastrukturen bietet. Hier stellt sich die Frage nach der Interaktion des Stadtraums auf die Freizeit. Wie spielt sich die Freizeit im Stadtzentrum ab, wie wird gestaltet und animiert und wie verändert sich das Stadtleben im öffentlichen Raum?

Nimmt die städtebauliche Entwicklung Einfluss auf das Privatleben oder ist die Veränderung des Verhältnisses zwischen Stadtraum und Bewohnern der Globalisierung, den neuen Trends und der Digitalisierung zuzuschreiben, welche die Aktivitäten im Freien in organisierten Freizeitanlagen mit umfangreichen Freizeitprogrammen oder in die häuslichen Privatsphären schieben?

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Parkhaus Metalli als Spiegelbild der Stadt Zug

Die Veränderung des städtischen Verkehrs hat einen deutlichen Einfluss auf unsere Lebensqualität. Straßenverkehr ist eine wesentliche Quelle der städtischen Luftverschmutzung und Verkehrslärm kann gesundheitliche Probleme verursachen.

„PS-Monster sind out“, habe ich in der Zeitung „20 Minuten“ gelesen. „In der Schweiz zeigte sich der Trend bereits vor zwei Jahren in der Studie «Statusfaction» des Gottlieb Duttweiler Instituts. Alles Materielle, Große, Teure und Umweltschädigende wirkt sich negativ auf den Sozialstatus aus. An die Stelle der klassischen, materiellen Statussymbole seien andere Werte getreten, wie Ökologie, ein gesunder Lebensstil, und alternative Verkehrsmittel. Benzinschleudern passten dazu nicht mehr. In sozialer Hinsicht kann man es sich schon lange nicht mehr leisten, ein PS-Monster zu fahren.“

Scheinbar entspricht diese Studie nicht der Realität der Stadt Zug. Um meine Empfindung auf die Probe zu stellen habe ich in den letzten zwei Wochen insgesamt eine Stunde im Metalli-Parkhaus verbracht: Freitag gegen 10.00 Uhr, Donnerstag um 18.00 Uhr und Samstag um etwa 15.00 Uhr. Den Aktionsradius für meine Feststellungen habe ich auf das 2. UG des Parkhauses limitiert und nur schwarze Autos für meine Aufnahmen in Betracht gezogen.

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Städte bestehen aus festgefügten Architekturen und sind doch permanenten Veränderungen unterworfen. Im Zuge der Globalisierung hat sich ein radikalisierter Kapitalismus über alle Grenzen hinweg zunehmend aller Lebensbereiche und der Stadt bemächtigt.

Zug ist eine Stadt der Widersprüche. Es ist eine Stadt, die zwischen Alt und Neu balanciert, zwischen den Zugstämmigen und den Neuansässigen, den Neureichen und den Geringverdienern. In den letzten Jahren sind diese Widersprüche angesichts des Rekords niedriger Steuerraten noch sichtbarer geworden.

Ungezügelte Geschwindigkeit begleitete den Bau von Luxuswohnblocks, Büroräumen und Geschäften, die zum Kennzeichen des „neu entwickelten“ Zug geworden sind.

Aus meiner Sicht, muss sich das architektonische Wachstum der Stadt den Notwendigkeiten des Alltags anpassen. Eher als der Wandel der Stadt, interessiert mich die Geschwindigkeit der Neuerung und deren Konsequenzen und Wirkungen, die auf die Einwohner Einfluss nehmen, sowie auch die Frage, in welchem Maß diese Bauschnelligkeit unser tägliches Leben beeinflusst.

Städte werden von uns verändert, und gleichzeitig verändern sie unser Verhalten, unser Benehmen und unsere zwischenmenschliche Beziehungen.

 

Mit meinem Video ziehe ich die Aufmerksamkeit auf die Beschleunigung des Wachstums und möchte dessen Auswirkung spüren lassen.

Das Video wurde an der Hofstrasse 9 aufgenommen, den 22. Januar 2014 von 15.00 bis 16.00. Eine Stunde des Hofstrasse-Lebens habe ich in 5 Minuten konzentriert.