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Sabine Windlin

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Die Gotthardlinie und eine ehemalige Elektrozähler-Fabrik, eine ominöse Umbettschleuse, ein skurriles Keramikkunstwerk und ein Bundesgerichtsentscheid wegen Keimgefahr. Zug Süd und das Areal des alten Kantonsspitals stecken voller Geschichten. Auf Entdeckungsreise mit Georg Frey und Sabine Windlin.

Sabine Windlin: Wir stehen auf der Dachterrasse des elfgeschossigen, ehemaligen Personalhauses des Kantonsspitals Zug. Hinter uns liegt der See, vor uns das Quartier Zug Süd. Welche Bauten sehen wir?

Georg Frey: Aus dem Mittelalter sehen wir die Altstadt mit ihren Befestigungs- und Kirchtürmen, den Pulver-, Kapuziner- und Huwylerturm, und mitten in der Stadt die Kirche St. Oswald. Bis zur Vollendung der Stadtbefestigung vor 500 Jahren gab es südlich der Stadt kaum Bauten. Zu den ersten gehörten die Kapelle und das Beinhaus St. Michael, der Zurlaubenhof und am Oberwiler Kirchweg die Beatuskapelle und das Tschuopishaus. Im 19. Jahrhundert ging es dann südlich der Altstadt plötzlich Schlag auf Schlag. 1827 baute man die Strasse nach Arth und 30 Jahre später die Kranken- und Pfrundanstalt, das spätere Bürgerspital. Dann folgten die Knabenschule Athene und das Institut St. Michael, und 1878 wurde mit dem Theilerhaus der Grundstein der späteren Landis&Gyr gelegt. Kurz darauf entstanden die ersten Villen am Oberwiler Kirchweg und die Pfarrkirche St. Michael. Erst kurz vor bzw. nach 1900 wurden die Gleise für die Gotthard-Bahn und das Zugerberg-Tram verlegt.

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Dass Bäume der Vögel wichtigster Lebensraum sind, unser Landschaftsbild verschönern und zum Klettern animieren, wissen die Menschen zwischen Rorschach und Lausanne, aber nur Leute, die in wirklich exklusiven Lagen wohnen, vorzugsweise als Stockwerkeigentümer an Hanglage in Zug, sind sich im Klaren darüber, dass Bäume eigentlich stören. Sie rauben uns den Seeblick.

So kam es, dass an der Eigentümerversammlung das Traktandum „Baum“ zu behandeln war. Die drei Eschen in unmittelbarer Nähe zum Kinderspielplatz waren kaum gepflanzt und streckten ihre zierlichen Äste mit den wenigen, im Sonnenlicht fast durchsichtig schimmernden Blättern erst zaghaft gegen aussen, schon wurden sie zum Thema. Die Eigentümerin aus dem 3. Stock schlug vor, die Höhe der Bäume – es waren eher Bäumchen – „einzufrieren“: Konkret gefordert wurde ein Wachstumsstopp. Man möge doch bitte bereits jetzt, so der Vorschlag, wo der Baum noch nicht allzu weit gediehen sei, dessen definitive Höhe bestimmen: bis hierher – und nicht weiter. Der Einwand eines Sitzungsteilnehmers, die Bäume würden dereinst als Schattenspender für im Sandkasten spielende Kinder eine wichtige Funktion einnehmen, wurde umgehend, mit energischer Handbewegung negiert: „Die Kleinen können einen Sonnenhut anziehen!“ Es war klar, worauf die Angelegenheit hinauslief: die Dame hatte ihre Wohnung mit dem wertsteigernden Hinweis „Seeblick“ gekauft und dieser – nicht ein diffuser Blätterblick – sollte auch bei einem allfälligen Wiederverkauf erwähnt werden können. Dass Bäume wachsen, hatte der Dame zuvor niemand gesagt. (Und dass der Schnitt das Wachstum anregt, schon gar nicht)

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