Der Name Zug stammt vom Fischzug.
Der Fisch Rötel war im Mittelalter ein Zahlungsmittel.
Das grösste Privathaus in der äusseren Altstadt war die Münz.
Ein volkstümlicher Brauch heisst Chröpfeli Meh,
eine Überbauung Klau-senhof.
In Zug haben sie tolle Hechte gefangen, aber auch glitschige Aale.
Im Netz hängengeblieben ist etwa Günter Netzer.
Aber auch die Landis & Gier.
Der Bildhauer Henry More hat eine Skulptur in der Seelikon platziert,
und Marc Rich ist in Zug noch reicher geworden, als er schon war.
Kurz zusammengefasst:
Münz Meh Klau!
Gier – More Rich.



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Unter anderem ist Zug für seinen Reichtum bekannt. Grosse internationale Firmen, gut bezahlte Kaderleute, Steueroasen: die ganze Palette. Versteckter Reichtum in Form von Banktresorfächern gefüllt mit Bargeld, Juwelen und anderen Kostbarkeiten oder in Kellern versteckte Kunstwerke: Zug fehlt’s an nichts.

Aber da sind noch andere Kostbarkeiten, Juwelen für alle. Das sind die Plätze welche ich auch nach meinen 30 Jahren in Zug immer noch gerne aufsuche. Jedesmal bleibe ich stehen und geniesse. Und das Schauen erzeugt ein intensives Gefühl der Zufriedenheit.

Hier sind sie: einige meiner Juwelen von Zug.

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“Water, water everywhere, and not a drop to drink”

Zug versinkt langsam unter einer Flut von Worten,Plakaten und Schildern. Schauen Sie nach rechts, nach links oder schräg nach oben: Die immer zunehmende Zahl von Buchstaben, Bildern und Piktogrammen ist unübersehbar.

Unterstehen wir einer Bande von Grafikern, deren Plan das Tapezieren unserer Umwelt mit ihrem gescheiten Design umfasst?

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Ein leises Gefühl von Invasion keimt in mir auf, wenn ich mich in unserer schönen Stadt umschaue. Nicht die Russen, nicht die Amerikaner oder andere Fremde sind es, die uns besetzen, sondern eine Gruppe teuflischer, rebellischer Architekten. Das elfte Gesetz ihrer Bibel umfasst nur einen Gedanken: “Du sollst kein anderes Dach bauen als ein flaches.” Und so, wo immer ich mein Auge ruhen lasse, begrüssen mich gerade Linien, nichts als gerade Linien.

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Vor dreissig Jahren kam ich von New York in die Schweiz. Ich hatte bisher mein Leben in Grosstädten verbracht, Brooklyn, Manhattan und San Francisco. Und dann plötzlich Zug! Mein erster Eindruck war, dass ich auf einer “Farm” gelandet war! Wo waren all die Leute auf der Strasse, warum waren die Läden nicht immer geöffnet, usw., usw.???

Mit meinen ersten Deutschkenntnissen übersetzte ich Stadt nur mit “city” und machte mich auf den Weg nach downtown Zug, mich wundernd, wo die “city” war. Es scheint mir nun, 2015, Zug erreicht so etwas wie einen “small city” Status (habe ich meine Erwartungen der Realität angepasst ?). Was aber noch fehlt, ist ein herausragendes Wahrzeichen. Paris hat den Eiffelturm, San Francisco die Golden Gate Bridge, New York das Empire State Building, Berlin das Brandenburger Tor.

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Der Pendler bewegt sich täglich auf derselben Wegstrecke zwischen Wohnort und Arbeitsstelle. Seine Ansichten von Zug formen sich auf dieser Wegstrecke. Welche Eindrücke haben diejenigen, welche diesen Ort Tag für Tag der Arbeit wegen streifen?

Diese Frage veranlasst Isabelle Marrel, verschiedenste Zugpendler anzusprechen. In einer kurzen Begegnung begleitet sie diese auf dem letzten Stück ihres Arbeitsweges vom Bahnhof Zug aus zu deren Arbeitsplatz und hört sich ihre Ansichten über die Stadt Zug an.

 

29.04.2015: Bahnhof Zug – Mattenstrasse

Vielleicht können die Einheimischen besser sagen, dass Zug sich verändert hat. Das sieht man ja überall. Ich pendle schon seit einigen Jahren nach Zug.
Ja, meistens begehe ich diese Strecke, da sie mein Arbeitsweg ist. Man hört die Veränderung schon beim aneinander Vorbeigehen: Russisch und Englisch.
In Zug dreht sich vieles ums Geld. Auch jetzt mit den Sparübungen, die man machen will. Dies geht zum grössten Teil zu Lasten der Angestellten. Eine Steuererhöhung steht nicht zur Diskussion. Man hat sich eben dem Geld verkauft.
Hoffentlich ändert sich das auch einmal wieder, aber momentan geht es in Zug in erster Linie um das Geld.
Zug ist im Prinzip keine Stadt, es ist mehr ein Dorf, das überrennt wurde vom Kapital.
Ja, ich gehe immer dieser Hauptachse entlang da nach vorne. Auf dieser Strecke gibt es nicht so viel Interessantes. Erlebnisse hatte ich bisher hier kaum spannende. Wenn man etwas erleben will, geht man eher nach Zürich.
Nein, ich pendle momentan von Zofingen, aber das auch erst seit kürzerem. Nach Zug würde ich nicht ziehen wollen. Die Wohnungsmieten sind hier total überhöht. Der kürzere Arbeitsweg wäre ein Vorteil, ist aber für mich nicht so zwingend nötig. Abgesehen davon hat es in Zug noch mehr Nebel als in Zofingen.
Am See unten kenne ich noch das Casino. Diese Gegend kann man noch am ehesten jemandem empfehlen − die meisten finden sie attraktiv.
Zug hat es mit dem Wachstum eindeutig übertrieben und man hat auch etwas geprasst. Die Frage ist, ob die Wirtschaft so lange durchhält, sonst kann es dann schon mal einen ziemlichen Absturz dieses Kantons geben.
Ein bisschen mehr Bescheidenheit wäre sicher nicht schlecht. Dann gäbe es auch keine Finanzprobleme.

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Der Pendler bewegt sich täglich auf derselben Wegstrecke zwischen Wohnort und Arbeitsstelle. Seine Ansichten von Zug formen sich auf dieser Wegstrecke. Welche Eindrücke haben diejenigen, welche diesen Ort Tag für Tag der Arbeit wegen streifen?

Diese Frage veranlasst Isabelle Marrel, verschiedenste Zugpendler anzusprechen. In einer kurzen Begegnung begleitet sie diese auf dem letzten Stück ihres Arbeitsweges vom Bahnhof Zug aus zu deren Arbeitsplatz und hört sich ihre Ansichten über die Stadt Zug an.

 

08.04.2015: Bahnhof Zug – Zählerweg

Ja, ich nutze verschiedene Wege, um zu meinem Arbeitsplatz zu gelangen. Heute nehmen wir darum den schöneren von allen. Ich muss aufpassen, was ich über Zug erzähle, denn ich bin Luzerner.
Hauptsächlich diese Strecke hier kenne ich gut, aber es ergibt sich ab und zu, dass ich nach vorn in die Altstadt gehe. Insbesondere, wenn wir internationalen Besuch erhalten, dann gehen wir mit ihnen gerne dort essen und alle sind immer schwer beeindruckt vom See und der Altstadt. Das gefällt allen gut, mir eigentlich auch. Ich bin vor allem beeindruckt vom Uferweg vorne am See, wo man direkt dem See entlang gehen kann, dort hat es teils etwas Verwinkeltes und Verborgenes.
Dieses Gebiet hier kenne ich als Arbeitsort, vorne ein paar repräsentative Plätze und vielleicht noch ein paar Dienstleistungsbetriebe dazwischen, irgendeine Bank oder einen Mobile-Shop, so etwa. Und ich kenne noch die Sporthalle und das Herti-Schwimmbad.
Das sind zwei verschiedene Welten, die eine ist nicht so schön und die andere schon. Das hier ist halt so eine Businesswelt – etwas kalt, obwohl man versucht, sie so menschlich wie möglich zu gestalten mit diesen Bäumen – vorher war hier ein Parkplatz. Auch wenn man hier nicht gross herumhängt, ist das Ganze löblich.
Von aussen her gesehen, finde ich Zug meist etwas langweilig. Wenn man in Zug bleibt, hat man irgendeinen Geschäftsanlass. Nicht dass diese langweilig sind, aber dann lebt das Ganze vom Anlass und nicht von einem kulturellen Angebot, welches Zug von sich aus bietet. Obwohl ich schon lange die Galvanik besuchen will. Und an einen EVZ-Match wollte ich auch mal. Hier im Zentrum ist aber schon das Business wichtiger.


Gewisse Ansichten von Zug sind auch recht hässlich. Ich habe zuvor in Zürich gewohnt, und bin von dort hierher gependelt. Wenn man von Zürich her kommend an Baar vorbei fährt und dann rechts rausschaut, dann sieht es etwas aus wie bei Plattenbausiedlungen. Da denkt man: ok, da wollte man wohl noch etwas günstigen Wohnraum schaffen. Bei den Vorurteilen gegenüber Zug, dass hier nur noch Reiche und Expats wohnen, hat man das Gefühl, dass da noch ein paar Häuser für arme Familien gebaut wurden. Aber ja, wahrscheinlich wohnen diese nicht einmal dort.
Luzern ist Heimat und Zug Arbeitsort. Wohnen würde ich nicht unbedingt hier wollen, weil ich das Gefühl habe, es wohnen nicht mehr die Leute in Zug, mit denen ich in Kontakt sein möchte. Aber ich bin immer wieder überrascht, wie viele nette und sympathische Leute ich dann doch hier treffe, die aus Zug selbst sind. Die Leute sind nicht anders als an anderen Orten, die richtigen Zuger empfinde ich als sympathische gemütliche Leute. Aber es stimmt, es ist schwieriger diese hier anzutreffen. Von aussen betrachtet hat das seinen Preis für Zug. Wenn dieser Preis der ist, dass die jungen Leute nicht mehr in Zug wohnen und nach Luzern ziehen, sei es aus Gründen, dass sie es sich dort eher leisten können oder ihnen das kulturelle Leben mehr zusagt, dann finde ich, ist dass ein recht hoher Preis für Zug, im Gegenzug zur arbeitsintensiven Gegend, die es nun einmal ist.
Aber das ist etwas pauschalisiert. Es ist heute üblich, dass man auf Zug rumhackt.
Aber ich finde Zug eigentlich sehr schön, aber dadurch, dass man hier arbeitet, versucht man die Zeit, die man hier verbringt möglichst kurz zu halten, weil man ja dann wieder nach Hause zur Familie will. Auch als ich in Zürich wohnte, habe ich den Teil, wo das Münster steht, vielleicht ein bis zweimal im Jahr gesehen, weil dies nicht in meinem Lebensraum lag.

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Der Pendler bewegt sich täglich auf derselben Wegstrecke zwischen Wohnort und Arbeitsstelle. Seine Ansichten von Zug formen sich auf dieser Wegstrecke. Welche Eindrücke haben diejenigen, welche diesen Ort Tag für Tag der Arbeit wegen streifen?

Diese Frage veranlasst Isabelle Marrel, verschiedenste Zugpendler anzusprechen. In einer kurzen Begegnung begleitet sie diese auf dem letzten Stück ihres Arbeitsweges vom Bahnhof Zug aus zu deren Arbeitsplatz und hört sich ihre Ansichten über die Stadt Zug an.

 

07.04.2015: Bahnhof Zug – Bahnhofstrasse

I began to work in Zug only last week. When I came here for the first time, I felt lost. But then I took the bus that went by the lake. So I thought, yes, it is really beautiful. I mean if you go to the lake. But otherwise it’s quiet. I have to take the bus direction Postplatz. I wear high heels, because of that I take the bus to go to work. For going back to the station I always walk because of the traffic.
That’s the problem. I haven’t seen yet other places. I only go from the main station to my work which is only two bus stations further. So there is not really a lot to see. Maybe I should take the time to look around. I mean probably later. You have only a couple of minutes left for going to work, that is the problem. When you finish work you are in a hurry to catch the train home. But if you come at the weekend you would really have the time to look around, maybe. But then you don’t go to Zug. On the weekends I stay in Zürich, there are more interesting things to see.
Before I came here, I only knew that the taxes in Zug are really cheep and the rents expensive. I don’t know, I haven’t heard about other things only about taxes. I hear that everywhere I go: “Oh yah, Zug is just good for taxes.” I mean what is special about Zug except the taxes?
Maybe there are other things but I think everyone has terms just about taxes.

It’s not crowded here. But here it is much like anywhere else in Switzerland I guess. People are minding their business and they don’t really care about other people, so they just pass you by. They don’t really look at each other. I mean Zürich is a lot more international so you got a lot more international people there, so maybe it is a little bit warmer because of the fact that a lot of people come from different places. Here there are also a lot of international people, but they’re just coming for work. And everyone is in a rush to go to his or her place of work and then just catch a train back. Yes, I think it’s a lot warmer in Zürich.
No, I couldn’t imagine living here. Maybe if I was in a way older and wouldn’t have much to do on the weekend or if you don’t care about things to do on the weekend. I like to meet different people and go to different places.

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Der Pendler bewegt sich täglich auf derselben Wegstrecke zwischen Wohnort und Arbeitsstelle. Seine Ansichten von Zug formen sich auf dieser Wegstrecke. Welche Eindrücke haben diejenigen, welche diesen Ort Tag für Tag der Arbeit wegen streifen?

Diese Frage veranlasst Isabelle Marrel, verschiedenste Zugpendler anzusprechen. In einer kurzen Begegnung begleitet sie diese auf dem letzten Stück ihres Arbeitsweges vom Bahnhof Zug aus zu deren Arbeitsplatz und hört sich ihre Ansichten über die Stadt Zug an.

 

25.03.2015: Bahnhof Zug – Alpenstrasse

Zug is a very lovely little city.
At lunchtime I go to the lake, there I have my lunch. It’s very easy to get here from Zürich where I live.
I could imagine living here, but my fiancé works at the other end of Zürich. So it doesn’t make sense for us to live in Zug.
I think Zug is very quiet and clean. What I like here is that there is not too much traffic. The mountains and the lake are beautiful. I’m from Sweden, so it is very different here. I suppose that to me, who doesn’t speak German very well, people should not speak Swiss German but English. In Zürich they all speak in English to me, but not here.

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Der Pendler bewegt sich täglich auf derselben Wegstrecke zwischen Wohnort und Arbeitsstelle. Seine Ansichten von Zug formen sich auf dieser Wegstrecke. Welche Eindrücke haben diejenigen, welche diesen Ort Tag für Tag der Arbeit wegen streifen?

Diese Frage veranlasst Isabelle Marrel, verschiedenste Zugpendler anzusprechen. In einer kurzen Begegnung begleitet sie diese auf dem letzten Stück ihres Arbeitsweges vom Bahnhof Zug aus zu deren Arbeitsplatz und hört sich ihre Ansichten über die Stadt Zug an.

 

11.03.2015: Bahnhof Zug – Bahnhofstrasse

Ja ich kenne besonders diese Strecke gut, da es mein Arbeitsweg ist, aber ich geh auch öfters mal am Mittag beim See spazieren.
Ich finde es immer wieder bedauerlich, dass die Leute gar nicht mehr mitkriegen, wo sie denn eigentlich wohnen. Aber je länger ich darüber nachdenke, umso klarer wird mir, dass das bei mir dasselbe ist.
Das Schöne an Zug ist, dass Zug – trotz des ganzen Wahnsinns, der hier passiert – seinen Dorfcharakter erhalten hat.
Nachdem jetzt auch hier busweise „Uhrenkäufer“ angekarrt werden, finde ich es mittags nicht mehr so schön. Also nichts dagegen, ich kann ja verstehen, dass die hier alle auch an dem partizipieren wollen wie in Luzern. Aber es hat so halt ein bisschen weniger Charakter.
Man hat auch hier seine berühmten Bausünden. Nachdem der Coop City wieder neu gemacht wurde, finde ich ihn zwar schöner – er ist etwas heller. Naja, er ist weiterhin ein Klotz.

Der Eindruck von Zug entspricht eigentlich auch dem Eindruck, den man ziemlich überall bekommt. Jede Möglichkeit, um etwas zuzubauen, wird genutzt, um so das Ganze noch etwas mehr zu pushen. Das ist ja menschlich verständlich, aber ich denke, das wird irgendwann mal böse nach hinten losgehen. So was kann man nur einmal machen. Meiner Meinung nach wohnen die Leute hier auch wegen der tiefen Steuern, aber das ist dann die berühmte Klientel. Sicher auch wegen der Ruhe, der Ordnung und der Sicherheit. Ob dies dann auf die Dauer gewährleistet bleibt, wenn solche Gettos entstehen, ist fraglich.
Ich wohne jetzt schon 6 Jahre hier in der Schweiz. Es hat sich in dieser Zeit extrem viel verändert. Auch die Mentalität der Menschen. Da kommt auch immer mehr die „Geiz ist geil-Nummer“ raus. Also ich glaube nicht, dass das eine gute Entwicklung ist.

Selbst hier zu wohnen, könnte ich mir nicht erlauben. Aber abgesehen davon, könnte ich es mir doch vorstellen. Zug ist noch überschaubar – also das „reine Zug“. Das, was ein paar Meter dort weiter hinten abgeht, ist es nicht mehr.
Zug ist für mich eine Stadt, die tagsüber pulsiert und abends relativ tot ist. Und das finde ich angenehm, denn ich komme aus einem Land, wo alles liberalisiert wurde. Angefangen bei den Öffnungszeiten, usw. Das heisst, es ist den ganzen Tag etwas los, aber die Leute fühlen sich deswegen wahrlich nicht wohler. Sie können dort bis 22.00 Uhr einkaufen – aber warum müssen sie das? Diese Tendenzen spüre ich hier auch. Zudem hat Zug so gute Verbindungen zu den naheliegenden grösseren Städten wie Zürich und Luzern. Aber das schätzt man hier schon gar nicht mehr, das war einfach schon immer da. Tagsüber kommen die Leute unter anderem von Zürich hierher zum Arbeiten und abends fahren die Leute, die hier wohnen, nach Zürich um zu feiern. Das ist widersprüchlich, aber trotzdem die ganz normale Entwicklung. Sie wollen hier in Zug ja auch nicht in einer Dorfdiskothek feiern.
Und ich finde es auch toll hier, dass es so sauber ist.
Aber sagen wir es mal so: Aufgrund der äusseren Umstände, die auf die Stadt Zug wirken, hat sie sich eigentlich noch wacker gehalten. Ja, jetzt ist dann langsam fertig – wenn ich mir die Bauerei so anschaue. Schauen wir mal da in Richtung Baar, da ist ein Betonklotz an den anderen gebaut. Solange es noch immer wunderbar nach vorne geht, ist das alles toll. Dann werden die auch vermietet. Irgendwann, wenn die Säge aber mal klemmt, dann werden solche Gegenden ganz schnell zu dem, was wir schon erlebt haben. Das kann man sich in anderen Ländern schon lange angucken. Das verstehe ich nicht immer so ganz. Denn es gibt so viele Dinge, die man sich bei anderen abschauen könnte. Wenn man das nicht wüsste, wäre es ok. Aber so ist es nicht. Und dann ist es eher ein extremer Egoismus. Natürlich kann man im Moment bei diesen Grundstückpreisen eine hohe Rendite machen. Aber für spätere Generationen wird’s schwierig werden. Aber eben, Zug hat sich auf dieses Geschäftsmodell eingelassen.

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Der Pendler bewegt sich täglich auf derselben Wegstrecke zwischen Wohnort und Arbeitsstelle. Seine Ansichten von Zug formen sich auf dieser Wegstrecke. Welche Eindrücke haben diejenigen, welche diesen Ort Tag für Tag der Arbeit wegen streifen?

Diese Frage veranlasst Isabelle Marrel, verschiedenste Zugpendler anzusprechen. In einer kurzen Begegnung begleitet sie diese auf dem letzten Stück ihres Arbeitsweges vom Bahnhof Zug aus zu deren Arbeitsplatz und hört sich ihre Ansichten über die Stadt Zug an.

 

25.02.2015: Bahnhof Zug – Zählerweg

Ja, dies ist mein täglicher Arbeitsweg. Ich komme von Basel hierher.
Normalerweise gehe ich für meine Mittagspause in die Kantine hier drüben. Dann bleibe ich den ganzen Tag hier. Ab und zu kann ich in die Stadt gehen, aber nicht so oft.

Also naja, ich kenne auch ein bisschen das Stadtzentrum. Metalli und ein bisschen weiter, aber nicht viel mehr, noch etwas vom See – das ist es, was ich von Zug kenne.
Das Zentrum von Zug gefällt mir ganz gut, aber diese Strecke finde ich nicht sehr schön. Das hier sind nur einfache Bauten, also für Büros, es gefällt mir nicht wirklich. Viel, viel Zement hat es hier.
Aber das Zentrum finde ich schön. Ja, aber Zug ist wirklich eine kleine Stadt.
Wissen sie, ich komme von Spanien und habe dort in Madrid gewohnt – das ist schon eine grosse Stadt. Dann bin ich nach Basel gekommen – Basel ist für mich auch schon klein.
Da mein Vertrag befristet ist, bleibe ich in Basel. Und natürlich habe ich mein „Network“ in Basel. Aber wenn ich die Stelle ganz hätte, würde ich hierhin ziehen.
Die Stadt Zug ist zum Wohnen für mich ok. Also ich weiss nicht, ob ich dann in Zug wohnen würde, aber auch in der Nähe von Zug wäre möglich. Nein, es muss nicht mehr eine grosse Stadt sein – ich bin mich Zug schon seit 7 Jahren gewohnt.

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«Die „Tagesbevölkerung“ des Kantons Zug ist um rund 19’000 Personen grösser als die „Nachtbevölkerung“.»
(Pendlerstatistik, Fachstelle für Statistik, Kanton Zug)

«Die Pendlerströme gegenüber den Kantonen Zug und Zürich haben sich im letzten Jahrzehnt verdoppelt und neuerdings pendeln mehr Zürcher nach Zug als umgekehrt.» 
(Der Kanton Zug: Struktur und Perspektiven, Credit Suisse)

 

Der Pendler bewegt sich täglich auf derselben Wegstrecke zwischen Wohnort und Arbeitsstelle. Seine Ansichten von Zug formen sich auf dieser Wegstrecke. Welche Eindrücke haben diejenigen, welche diesen Ort Tag für Tag der Arbeit wegen streifen?

Diese Frage veranlasst Isabelle Marrel, verschiedenste Zugpendler anzusprechen. In einer kurzen Begegnung begleitet sie diese auf dem letzten Stück ihres Arbeitsweges vom Bahnhof Zug aus zu deren Arbeitsplatz und hört sich ihre Ansichten über die Stadt Zug an.

 

18.02.2015: Bahnhof Zug – Gartenstadt

Ich habe die letzten 10 Jahre immer an meinem Wohnort gearbeitet, Pendeln ist von dem her schon etwas Neues für mich. In diesen wenigen Arbeitstagen hier habe ich schon gemerkt, dass man hier genauso schnell zu Fuss die Arbeitsstelle erreicht wie mit ÖV. Anstatt entlang der schnellen Baarerstrasse, gehe ich meist auf den Parallelstrassen hinten durch zur Arbeit. Das ist viel angenehmer und spannender.

Beim Pendeln probiert man zu Beginn aus, wie man am schnellsten von A nach B kommt und wenn man das drauf hat, zieht man dies dann meist immer so durch. Man zirkelt ab, wann genau der Zug fährt und schaut, dass man ihn schnell erwischt.
Dann geht man direkt oder möglichst direkt vom Bahnhof ins Büro und wieder heim.

Als Pendler hat man überhaupt keinen touristischen Eindruck der Stadt. Wenn man sich die Homepage der Stadt Zug anschaut, denkt man „wow, das ist ja wahnsinnig schön hier“. Aber wenn man morgens um 07:30 Uhr mit dem Interregio in die Stadt einfährt, ist der Eindruck ein total anderer. Man ist unter Zeitdruck, anders, als wenn man auf dem Zugerberg spazieren geht oder am See flaniert.

Mich reizt es, auch noch andere Orte von Zug kennen zu lernen – solche, wo man eben nicht durchkommt beim Pendeln. Bis jetzt kenne ich einen Teil am See und einen Teil der Altstadt. Die Stadt als Ganzes muss ich durch meine berufliche Tätigkeit erst kennenlernen. Für mich ist diese Arbeit darum total spannend, weil ich so ständig Neues entdecken kann.

Speziell an Zug empfinde ich dieses Entwicklungsgebiet, wenn man von Zürich in die Stadt reinfährt. Das Ausmass an Bauten ist schon recht gross.
Wenn man durch die Altstadt geht, hat man nicht das Gefühl, am gleichen Ort zu sein. Bei anderen Städten wie Zürich und Bern hat es um diese Altstadt herum noch eine Stadt aus dem 19. Jahrhundert. In Zug treffen Altstadt und Neubauten fast unmittelbar aufeinander. Zug ist sehr dicht bebaut. Es ist eine Stadt mit vielen verschiedenen Gesichtern, die sich sehr stark unterscheiden. Wenn man von aussen her kommt, merkt man auch nicht wirklich, wo die Stadt anfängt und aufhört. Zug und Baar scheinen zusammenzuwachsen.

Ich bin gewohnt, in einer Stadt zu wohnen, die eine andere Masse hat, mit städtischen Wohnquartieren. Zug ist mir etwas zu klein als Stadt. Bern scheint mir da schon städtischer. Ich habe immer in grösseren Städten gewohnt – auf der ganzen Welt.
Zug ist für mich irgendwie nicht so eine Stadt, auch wenn es Merkmale einer Stadt hat. Es fehlt hier so etwas wie ein Stadtkörper, Masse. Die kleinteilige Altstadt hat schon etwas Städtisches. Sie ist sehr schön, aber irgendwie auch speziell mit diesen Lädeli, wo es gar nicht so normale Dinge zu kaufen gibt. Das Drumherum, was ich davon gesehen habe, empfinde ich schon nicht mehr als Stadt.
Vom Funktionellen her ist Zug wohl eine Stadt, aber auf mich hat sie nicht diese Wirkung. Wenn man von aussen kommt, scheint Zug schon recht klein.
Dieses Quartier Gartenstadt hier ist ein spezielles Gebiet. Ich glaube, ein Gebiet dieses Charakters gibt es in Zug sonst nicht.

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Isabelle Marrel wurde 1986 geboren und ist in Baar aufgewachsen. Nach dem Bachelor-Studium in Kunst und Vermittlung und dem Masterabschluss in Fine Arts, Major Art Teaching an der Hochschule Luzern unterrichtet sie seit August 2014 Bildnerische Gestaltung an der Kantonsschule Zug.

In ihrer künstlerischen Arbeit sieht sie sich als Beobachterin von alltäglichen Phänomenen in unserer Gesellschaft. Sie ist interessiert an der Komplexität des Alltäglichen, immer Wiederkehrenden, am gar Banalen, das unsere Gesellschaft formt.

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Dass Bäume der Vögel wichtigster Lebensraum sind, unser Landschaftsbild verschönern und zum Klettern animieren, wissen die Menschen zwischen Rorschach und Lausanne, aber nur Leute, die in wirklich exklusiven Lagen wohnen, vorzugsweise als Stockwerkeigentümer an Hanglage in Zug, sind sich im Klaren darüber, dass Bäume eigentlich stören. Sie rauben uns den Seeblick.

So kam es, dass an der Eigentümerversammlung das Traktandum „Baum“ zu behandeln war. Die drei Eschen in unmittelbarer Nähe zum Kinderspielplatz waren kaum gepflanzt und streckten ihre zierlichen Äste mit den wenigen, im Sonnenlicht fast durchsichtig schimmernden Blättern erst zaghaft gegen aussen, schon wurden sie zum Thema. Die Eigentümerin aus dem 3. Stock schlug vor, die Höhe der Bäume – es waren eher Bäumchen – „einzufrieren“: Konkret gefordert wurde ein Wachstumsstopp. Man möge doch bitte bereits jetzt, so der Vorschlag, wo der Baum noch nicht allzu weit gediehen sei, dessen definitive Höhe bestimmen: bis hierher – und nicht weiter. Der Einwand eines Sitzungsteilnehmers, die Bäume würden dereinst als Schattenspender für im Sandkasten spielende Kinder eine wichtige Funktion einnehmen, wurde umgehend, mit energischer Handbewegung negiert: „Die Kleinen können einen Sonnenhut anziehen!“ Es war klar, worauf die Angelegenheit hinauslief: die Dame hatte ihre Wohnung mit dem wertsteigernden Hinweis „Seeblick“ gekauft und dieser – nicht ein diffuser Blätterblick – sollte auch bei einem allfälligen Wiederverkauf erwähnt werden können. Dass Bäume wachsen, hatte der Dame zuvor niemand gesagt. (Und dass der Schnitt das Wachstum anregt, schon gar nicht)

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Roger Amgwerd (RA) und Adrian Bättig (AB) spazieren für ihre Ansichten von Zug drei Punkten entlang, mit denen sie biografisch verbunden sind. Der vierte Punkt ergibt sich aus der Spiegelung der ersten zwei Etappen.  RA AB versuchen möglichst nahe den in der Karte eingezeichneten Geraden zu folgen und sprechen über jene Sichten auf die Stadt, die ihre Gedanken beim Gehen provozieren.

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Roger Amgwerd (RA) und Adrian Bättig (AB) haben die letzte Wegstrecke vor sich, die sie vom Unterochsenhof zurück zum Ausgangspunkt ihrer Spaziergänge – der Station Schulhaus Herti – bringt.

RA: Wir stehen hier noch vom Regen geschützt unter einem Vordach beim Unterochsenhof und sehen für einmal ziemlich direkt bis zum Endpunkt unseres Spazierganges. Es gibt keine versteckten Nischen oder Irrwege zu entdecken, wir können schnurgerade über dieses Feld ins Ziel flanieren. Der Weg bietet keine Spektakel. Vor uns liegen die leisen Dinge …

AB: Ich finde, dass in der heutigen Zeit gerade das Aufspüren dieser leisen Dinge eine hohe Qualität hat. Unsere medial geprägte Welt bietet so viel Lautes, um jeden Preis Auffälliges und Marktschreierisches – da bekommen feine und zurückhaltende Beobachtungen und Äusserungen eine ganz neue, wohltuende Qualität!

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Roger Amgwerd (RA) und Adrian Bättig (AB) spazieren für ihre Ansichten von Zug drei Punkten entlang, mit denen sie biografisch verbunden sind. Der vierte Punkt ergibt sich aus der Spiegelung der ersten zwei Etappen. RA AB versuchen möglichst nahe den in der Karte eingezeichneten Geraden zu folgen und sprechen über jene Sichten auf die Stadt, die ihre Gedanken beim Gehen provozieren.

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RA AB sind beim Kunstraum am Blumenweg losgelaufen und passieren die Loretohöhe. Sie sprechen mit einem Gärtner, dessen Kollege in schwindelerregender Höhe ohne Sicherung daran ist, mit der Motorsäge einen Baum zurückzustutzen.

RA: Der Gärtner sagte uns eben, im Winter würden die Bäumen schlafen und dann hauten sie ihnen die Köpfe ab – ein toller Satz.

AB: Und er erzählte uns weiter, sein Kollege sei Schweizer Meister im Bäume Klettern. Ein entsprechender Wettbewerb finde jeweils in Holzhäusern statt. Dann meinte er noch, generell sei das Baumklettern ohne Leiter sicherer als mit, weil fallende Äste die Leiter wegschlagen und den Arbeiter darauf gefährden könnten.

Unterhalb der Loretohöhe angekommen, betrachten RA AB ein grösseres, rundum spiegelndes Gebäude, das am Wäldchenrand steht.

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Roger Amgwerd (RA) und Adrian Bättig (AB) stellen Vorlagen für Spazierwege zu Ansichten von Zug her. Dazu bestimmen RA AB Spielregeln mit Hilfe eines Stadtplanes und eines Lineals. Sie ziehen eine Linie. Das Ziel des Spieles: RA AB spazieren möglichst nahe der Linie entlang und sprechen über jene Sichtpunkte auf die Stadt, die ihre Gedankengänge schrittweise provozieren.

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Roger Amgwerd (RA) und Adrian Bättig (AB) ziehen auf der Stadtkarte eine Linie vom Kap zum Kunstraum am Blumenweg.

RA AB gehen möglichst nahe an der Linie im Zickzack durch die Gassen der Altstadt. Kurz vor ihrem Aufstieg zum Guggi bleiben sie bei einer Baustelle stehen, die einen Leerraum zwischen Häusern besetzt.

AB: Die verschiedenen Architektursprachen, die hier zusammenkommen und mittendrin die Baustelle, dies finde ich sehr interessant. Mir fallen dazu zwei Dinge ein. Vor gut zehn Jahren war ich in Porto, wo gerade eine U-Bahn gebaut wurde. Die halbe Stadt sah wie dieser Ort hier aus, da überall die Zugänge zu den Stationen gebaut werden mussten. Die von den Baustellen besetzten Plätze hatten etwas Wüstes, aber auch Brodelndes, Vitales und Vielversprechendes. Man fragt sich hier, was der Plan ist, wie es aussehen wird, wenn die Bauerei beendet ist. Weiter denke ich an ein Bild des italienischen Futuristen Umberto Boccioni mit dem Titel „Der Lärm der Strasse dringt ins Haus“. Darauf sieht man eine Baustelle, natürlich damals mit Pferdefuhrwerken betrieben, die ihren Lärm und ihre Dynamik zu den umliegenden Häusern hochschickt, nur mit den Mitteln von Malerei dargestellt. Das 100 Jahre alte Bild versprüht für mich immer noch die Aufbruchstimmung, die am Beginn der Moderne herrschte.

RA:. Der sich türmende Bauschutt, die Maschinen, die Mauern und die riesige Hecke dazwischen bilden ein regelrechtes Wirrwarr. Ich weiss nicht, wo der Platz anfängt und wo er aufhört. Was verdecken eigentlich die Bauplanen in der Mitte des Platzes? Wäre dies eine Bühne, so fände ich die Inszenierung des Geheimnisses in der Mitte sehr gelungen.

AB: Vielleicht wird dort nach archäologischen Funden gegraben…

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Roger Amgwerd (RA) und Adrian Bättig (AB) stellen Vorlagen für Spazierwege zu Ansichten von Zug her. Dazu bestimmen RA AB Spielregeln mit Hilfe eines Stadtplanes und eines Lineals. Sie ziehen eine Linie. Das Ziel des Spieles: RA AB spazieren möglichst nahe der Linie entlang und sprechen über jene Sichtpunkte auf die Stadt, die ihre Gedankengänge schrittweise provozieren.

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RA AB steigen aus dem Bus bei der Endstation Schulhaus Herti und schauen sich um.

AB: Das Schulhaus, das wir sehen, stammt der Architektur nach zu schliessen aus den 70er-Jahren, und darum herum ist viel neu gebaut worden. Es scheint mir fast, die Anwohner sind zum Schulhaus gekommen und nicht umgekehrt.

RA: Was mir ebenfalls auffällt an diesem Schulhaus, das sind die Orange- und Gelbtöne. Diese suchen für mich irgendwie eine Nähe. Aber aus der Distanz wirken sie apart und fremd. Sie wirken für mich verstaubt.

AB: Verstaubt ist in diesem Zusammenhang ein interessanter Begriff, weil die Farben des Herti-Schulhauses eigentlich erdig untermischt sind, wenn man sie genauer anschaut, und man weiss nicht so recht, ob da noch Patina drauf ist.

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Auf meinen Klangausflügen durch die Stadt Zug habe ich einige Überraschungen erlebt, die ich in dem Ausmasse nicht erwartet hätte. Dass die Klangkulisse in der Innenstadt entlang der Hauptverkehrsachse sehr laut sein wird, habe ich vermutet. Dass gewisse Orte, wie die Badeanstalt Siehbach oder der Platz hinter dem Neustadt Schulhaus, ruhig sein werden, wusste ich. Überrascht hat mich aber zum Beispiel die Ruhe des Bahnhofsplatzes. Wirklich erstaunt war ich aber über die sehr schnell stark ändernden akustischen Klanglandschaften auf engem Raum, die mir zuvor noch nie bewusst in der Stadt aufgefallen sind. Einer dieser extremen Änderungen findet zwischen Kolinplatz und Landsgemeindeplatz statt. Die Plätze sind über das schmale Gässchen vor der Polizei beinahe miteinander verbunden, klanglich jedoch komplett unterschiedlich. Im Gegensatz zu dem lauten, verkehrsreichen, hektischen Kolinplatz ist der Landsgemeindeplatz wunderbar ruhig und friedlich. Die nördliche Häuserreihe schottet den Platz ziemlich effektiv vom Verkehrslärm der Neugasse ab. Der grosse weitläufige Landsgemeindeplatz ist nicht nur ruhig, sondern wirkt auch akustisch „überschaubar“. Diese Tatsache verdankt er mit grosser Wahrscheinlichkeit seiner Geschichte und früheren Funktion und mit dem Glück, dass sich der Platz trotz Umgestaltungen nicht gross verändert hat und verkehrsfrei geblieben ist.
Am 2. Mai 1847 fand die letzte ordentliche Landsgemeinde der Stadt Zug statt. Der 19. Ausgabe von der liberal ausgerichteten Zeitung „Der freie Schweizer“ vom 7. Mai 1847 entnehmen wir dazu folgenden Bericht (Auszug):

“Der erste Maisonntag versammelte die Bürger von Stadt und Land wieder zur alljährlich ordentlichen Landesgemeinde; obgleich von äußerst warmen Frühlingslüften begünstigt, war sie dennoch nicht ausnehmend stark besucht. Die Befürchtungen der „katholischen Staatszeitung aus Luzern“ traten nicht ein; es fand keine Störung im gewöhnlichen Gang der Geschäfte statt. Außer dem Wirbeln des Tambours und dem vielleicht ermüdenden Unisono der Lobredner Zugerischer Zustände auf der Tribüne, dem aber die muntere Schaar der Bergleute von Menzingen mit ihrer heiteren, lebensfrohen Musik Anfang und Ende setzten, vernahm das Ohr des Zuhörers nichts Außergewöhnliches. – Hr. Landammann, C. Bossard, eröffnete die Landsgemeinde mit einer kurzen, passenden Anrede an das Volk und die versammelten Landesväter; er schilderte die Bedeutung des Tages und das Erhabene des Anblickes, den ein ganzes Volk, welches sich an einer durch die Geschichte geweihten Stätte versammelt um in ernster Stimmung des Bürgers höchste Rechte und Pflichten auszuüben, gewährt. Einen Gesammtüberblick auf das Zugerische Staatsleben werfend, äußerste er sich in sehr wohlwollender Weise über den Ruhe und Frieden liebenden Sinn des Zuger’schen Volkes, so daß ihm das Lob zu Theil werden müsse, unter allen Völkern des schweizerischen Staatenbundes vielleicht das einzige zu sein, welches von Anarchie oder gewaltsamer Umwälzung seither frei geblieben sei. Nachdem er von seiner Kenntniß der speziellen Landesgeschichte durch die Erzählung des Umstandes, der wie vielte Ammann, der die Landsgemeinde präsidiere, er sei, Zeugniß zu geben versucht, die Würde der Amtstelle als eine durch die Zeitverhältnisse drückende Bürde erklärt, sich des weitern belobend über die Verwaltung und deren verschiedene Zweige ausgesprochen hatte, legte er die Ammannsstelle zur freien Verfügung in die Hände des Volkes nieder. – Der Reihe nach trugen nun die durch den ersten Landschreiber zur Umfrage aufgerufenen Präsidenten der verschiedenen Kantonsgemeinden auf die Bestätigung des Hrn. Landammann C. Bossard in seiner Amtswürde wiederum an, welcher sodann in dieser Eigenschaft die Landsgemeinde weiter führte. – Es folgte nunmehr die verfassungsgemäße Bestätigung der ersten Landschreibers und die Wahlen der Gesandten für nächstfolgende Tagsatzung in Bern. Hr. I. A. Schön wurde im Amte eines ersten Landschreibers wiederum bestätigt. Zu Tagsatzungsgesandten wurden auf Vorschlag des Hr. Statthalters Keiser-Imhof die beiden HH. Landammänner, Bossard und Hegglin, jener als erster, dieser als zweiter, gewählt. Nach Erschöpfung der Traktanden und feierlicher Beeidigung der Landsgemeinde durch den vorsitzenden Herrn Landammann, waren die Verhandlungen als geschlossen erklärt.“

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Im Einzugsgebiet der Nachbarschaft Lüssi aufgewachsen, kenne ich den Klang der Böllerschüsse durch die jeweils im September stattfindende Loreto Chilbi sehr gut. Dieser Brauch der Ankündigung hat sich bis heute gehalten.
Zu einer Zeit, in der es noch keine Telegrafen, geschweige denn Telefone, Radio, oder gar Internet gab, waren neben den berittenen Boten über weite Strecken gut hör- oder sehbare Signale wichtige Kommunikationsmittel. Ein Nachteil visueller Kommunikation ist, dass sie zu Tag und Nacht nicht immer in gleicher Form entschlüsselbar ist. Dazu kommen Hindernisse wie Nebel oder Regen. Ein entscheidender Vorteil der akustischen Signale ist die Möglichkeit, auch bei eingeschränkter Sicht mehrere Personen gleichzeitig zu erreichen. So ist zum Beispiel die Glocke, die jede Viertelstunde schlägt, für mehr Leute wahrnehmbar, als das Ziffernblatt der Turmuhr.
Böllerschüsse haben traditionellerweise aber weniger mit dem Übermitteln wichtiger Informationen zu tun, sondern viel mehr mit der Ankündigung einer festlichen Begebenheit. Urspeter Schelbert schreibt dazu in folgendem Artikel aus der „Personalziitig“ Ausgabe 59/04 auf S. 18 f.:

„Das Salut-Schiessen oder Ehrenschiessen hat Tradition. Noch heute sind Ehrensalven üblich bei hohen staatlichen Empfängen, aber auch bei Beerdigungszeremonien sehr berühmter Persönlichkeiten der Öffentlichkeit. Im Kanton Zug wie andernorts war es ebenfalls Brauch, dass bei ausserordentlichen öffentlichen Anlässen mit Kanonen oder Mörsern ehrenhalber geschossen wurde.
[…]
Auch bei besonderen Ereignissen wurde oft auch spontan und aus Freude geböllert. Als am 18. Dezember 1910 das Zuger Stimmvolk die Vorlage über die Finanzierung der Elektrischen Strassenbahnen annahm, feierte man in den Berggemeinden das erfreuliche Abstimmungsergebnis mit Musik und Freudenschiessen.
In einer volkskundlichen Umfrage zu Beginn der 1930er Jahre wird aus dem Ägerital berichtet, dass Freudenschiessen aus Anlass einer Heirat oder einer Taufe einer «Dorfgrösse» beliebt waren. Am Morgen in der Frühe machten Freunde mit einem Freudenschiessen einen Mordslärm, «meistens mit Schusswaffen oder dann wurden Holzstöcke mit Pulver geladen und gesprengt». Vor allem «Tätschen» musste es. Die Geehrten zeigten sich meist im Nachhinein bei den heimlichen Schützen erkenntlich.

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Auf die lange Tradition des Ausrufers haben bereits vor fast genau vier Jahren Remo Hegglin und Michael Elsener mit ihrem Projekt „Fünf vor Zwölf – Jetzt spricht der Zytturm“ wieder aufmerksam gemacht.
Turmwache und Zeitansage wurden früher noch vom Wärterstübli des Turms aus gemacht, der Ausrufer begab sich im Verlauf der Zeit aber auf die Strassen Zugs und wurde mobil. Bemerkenswert ist, dass Zugs letzter Ausrufer Alfred Hirschi, bekannt als „de Hirschi“, bis in die 1950er Jahre noch als Ausrufer gewirkt hat, während in den meisten Städten Europas dieser Beruf ab Ende des 19. Jh. abgeschafft wurde. Murray Schaefer, auf dessen Buch „The Soundscape“ (1994) ich mich hier immer wieder beziehe, schreibt, dass ab 1960 Istanbul die einzige europäische Stadt sei, in der man noch regelmässig Ausrufer hören konnte.

Im Zuger Kalender von 1958 wurde Alfred Hirschi mit folgendem Nachruf verewigt (S. 84 f.):

„Er ist 72 Jahre alt gewesen, der Hirschi, als er am 2. Dezember 1956 starb. Für einen so eifrigen Propagandisten des Vereins für Volksgesundheit und einen so überzeugten Anhänger der leguminösen Kost und der offenen Sandalen und offenen Hemdbrüste ist das nun zwar kein hohes Alter. Für einen so voluminösen alten Herrn aber, der von derart vielen Rippen- und weiss nicht was für -brüchen zu erzählen wusste, sind 72 Jahre immerhin wieder eine respektable Leistung.
Wir wollen wetten: der Hirschi wäre nie in den Kalender gekommen, wenn er nicht Stadtausrufer – und was für einer! – gewesen wäre. Denn das am 29. Mai 1884 angehobene Leben des einfachen Landberners, der 1918 nach Zug gekommen war, und der hier noch mit dem gelben Postwagen die Tour zwischen Bahnhof und Postgebäude gemächlich und, wie man erzählte, oft mit traumwandlerischer Sicherheit oder gar Verschlafenheit gefahren ist, hätte im gemütlichen und unauffälligen Pensionistenzustand still und zuversichtlich sein Ende gefunden, wenn eben nicht …

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Die Veränderung des Stadtklangs geht auch einher mit dem technischen Fortschritt. Einschneidend muss die Einführung des Automobils zur Jahrhundertwende gewesen sein, vor allem im beschaulichen Städtchen Zug.
In der (sehr empfehlenswerten) Rubrik „Das Staatsarchiv erzählt“ der „Personalziitig“ schreibt Renato Morosoli in der Ausgabe 44/08 auf S. 19:

„«in letzter Zeit» habe man in Zug «wiederholt eine sog. Motorkutsche, ein sehr leichtbewegliches elegantes, durch einen Petrolmotor in Bewegung gesetztes Vehikel» gesehen, wussten die «Zuger Nachrichten» im Mai 1896 ihrer Leserschaft zu berichten. Sie wiesen damit auf eine Erfindung hin, die an der Wende zum 20. Jahrhundert am Anfang eines unglaublich dynamischen und folgenreichen Aufstiegs stand, sich aber in ihren Anfängen weitherum sehr unbeliebt machte.

Exzessiv schnell
Verkehrsmittel, die sich mit Maschinenkraft bewegten, waren den Zugern schon länger bekannt, fuhr doch die Eisenbahn seit einigen Jahrzehnten auch durch den Kanton Zug. Diese nutzte jedoch ihren exklusiven Schienenstrang, während die neuen «Vehikel» auf alten, dafür nicht geeigneten Wegen fuhren und dort die bisherigen Benutzer, die Fussgänger, Fuhrleute und Kutscher, in Gefahr brachten, an den Rand drängten, mit Staub einhüllten und durch Lärm belästigten. Besonders bedrohlich war das Tempo der «Motorkutscher» oder «Automobile», die sich im Vergleich zum bisherigen, gemächlichen Verkehrsfluss in der Wahrnehmung der Zeitgenossen geradezu exzessiv schnell bewegten.
Deshalb war auch die Zuger Regierung 1902 rasch bereit, «für den Verkehr mit Automobilwagen für das Publikum schützende Bestimmungen» aufzustellen. Schon bisher hatte es einige Vorschriften für Fuhrleute und Reiter gegeben. Das Strassengesetz von 1886 zum Beispiel verbot das «schnelle Reiten oder Fahren über Brücken, in engen Durchpässen und Strassenbiegungen, durch Ortschaften, sowie durch Volksmengen, Märkte und Viehherden», untersagte «unnöthiges Peitschenknallen durch die Ortschaften» und regelte das Vorgehen beim Kreuzen oder Überholen anderer Fuhrwerke. Die laute, dominierende Präsenz der «Automobilwagen» auf den Strassen verlangte aber zusätzliche Einschränkungen.

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Vom 9.9.1913 bis zum 21.5.1955 führte die ZVB (bzw. das Unternehmen ESZ – Elektrische Strassenbahnen im Kanton Zug – vor 1951) einen Überland-Tramstrecken Betrieb mit den Linien Zug–Oberägeri, Zug–Baar–Thalacker und Nidfurren–Menzingen.
Die Tramstrecke Zug–Schönegg sowie die Standseilbahn Schönegg–Zugerberg wurden 1907 von dem Unternehmen Zuger Berg- und Strassenbahn (ZBB) eröffnet. Der Trambetrieb wurde 1959 durch einen Bus ersetzt.

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Abb.: Zug Alpenstrasse, Abschiedsfahrten der ZBB Trams, Mai 1959 (Quelle: Privat)

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war der „Betriebslärm“ der Trams ein charakteristisches Geräusch der Stadt, so schreibt Dr. Ueli Ess in der Einführung des Buches „Grossvaters Zug“ (1979, S.3):

„Kürzlich stand ich vor dem wachsenden Geschäftshaus „Eisenhammer“ an der Bahnhofstraße und schaute den Bauarbeiten zu, die mit all den Hilfsmitteln der Technik etwas Faszinierendes an sich haben. Dabei versuchte ich mich auch zu erinnern, wie denn die Bahnhofstraße früher aussah, und meine Gedanken schweiften unwillkürlich zurück. Mit einem Mal waren sie wieder da, die Bilder der Stadt meiner Jugend, ihre Geräusche und – soweit das möglich war im Gestank der Hauptverkehrsstraße – auch der Duft. Es gab ja auch damals Lärm, aber er war anders. Es war der Lärm des ZBB–Trams, das in den Kurven quietschte, als ob es sich nicht aus der einmal eingeschlagenen Richtung zwingen lassen wolle.“

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Am 31. Mai und 1. Juni 1897 wurde die Strecke Zug – Goldau der Gotthardbahn gefeiert und eröffnet. Für diesen Zweck wurde der Bahnhof an den heutigen Standort verschoben und befand sich danach zu damaliger Zeit noch weiter von der Stadt entfernt als zuvor (die Gotthardbahn-Gesellschaft bestand wider den Willen der Zuger darauf). Obwohl die Eisenbahn zu der Zeit schon seit einigen Jahren im Kanton verkehrte, tangieren die Schienen zum ersten Mal direkt die Stadt über den Viadukt, kreuzen Bahnhofstrasse und Poststrasse und verschwinden im Dunkel des Stadttunnels hinter dem Postgebäude.
Der Anschluss an die Europäische Bahnstrecke läutete so sinnbildlich einen Aufbruch in ein neues industrielles, wirtschaftliches und touristisches Zeitalter der Stadt ein. Damit verbunden sind auch klangliche Landschaftsveränderung der Stadt.
Fast genau 100 Jahre zuvor schrieb Carl Julius Lange in seinen Berichten „Ueber die Schweiz und die Schweizer“ (1796, Band 2, S. 161 ff.):

„Folgen Sie mir wieder nach Zug. Ehe ich diesen Kanton verlasse, habe ich Ihnen noch das Eine und Andere davon zu erzählen. Da man hier gar keine Fabriken und Manufakturen hat, und da sich alles vom Ackerbau und der Viehzucht nährt, so entsteht daraus eine grosse Menschenleere und Geschäftlosigkeit in der Hauptstadt, weil die ganze Thätigkeit sich auf dem Lande, auf den Alpen, in den Feldern konzentrirt. Wer also das stille und bewegungsleere Zug als den Maassstab der Bevölkerung des ganzen Kantons annehmen wollte, würde sich sehr betrügen; da dieser Kanton als der volkreichste in der ganzen Schweiz angesehen wird, und in Betracht seines sehr eingeschränkten Flächenraums auch füglich dafür gelten kann. Was mir in der Stadt am meisten missfällt, sind die vielen müssigen wohlgemästeten Pfaffen, die einem alle zwei Schritte zu grossem Missbehagen aufstossen. Diese Larven der Mässigkeit voll innerlicher Leidenschaft. Diese Sittenlehrer ohne Sitten; diese Toleranzprediger, deren ganzes Wesen von oben bis unten die grimmigste Intoleranz ist. Sie sind eine schwere Aufgabe in einem demokratischen gut regierten Freistaat. – Es ist ein glüklicher Umstand für die Freiheit dieses Kantons, dass der Stadt- und Amt-Rath, der in Zug seinen Siz hat, nicht aus lauter Städtern besteht. Zu den 40 Gliedern, die diesen höchsten Rath ausmachen, gibt die Stadt 13, die äussern Ämter aber 27, wodurch eine glükliche Mehrheit von Seiten des Landvolks entsteht, dessen Repräsentanten auch den meisten und kräftigsten Freiheitssinn in den Rath bringen.
Übrigens bin ich mit den Bewohnern dieses Kantons zufriedener, als mit ihren Brüdern in den aufgeklärtern Kantonen. Die Zuger sind im Ganzen thätig, ehrlich, genügsam, und – obgleich dem Jupiter Xenios, dem Gott der Gastfreundschaft, in der Schweiz eben keine glänzenden Altäre prangen – auch hin und wieder gastfrei.“

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