Schleife Nord (Ost)

– Inventar des Dazwischen

Die Zuger Schleife sticht ins Auge: Zusammen mit den SBB-Gleisen umrahmt sie das Gebiet westlich des Bahnhofs in Form eines seitenverkehrten Q und lässt es auf Stadtplänen, Landkarten und Satellitenbildern deutlich hervortreten. Jedenfalls tat sie das bis vor Kurzem. Heute ist die markante Struktur in Auflösung begriffen.

Auch das von ihr umfasste Gebiet befindet sich im Wandel: Die heterogen besetzte Randzone, die jahrzehntelang durch die Entwicklung von Landis&Gyr geprägt war, wird zu einem kompakten Stadtquartier umgebaut. Noch sind Bruchlinien sichtbar. Eine Spurensuche entlang von dem, was bald nicht mehr oder noch nicht ist – und eine Bestandesaufnahme.


Schleife Nord (Ost)

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Eine Strasse, die an einem Zaun endet. Ich entdeckte sie bei meinem ersten Erkundungsrundgang entlang der Schleife. Wie abgeschnitten sieht sie aus. Eine gelbe Mobil-Toilette steht verloren am Rand. Typisches Baustellenmobiliar. Wurde sie vergessen? Der Zaun grenzt die gepflegten Grünflächen im Feldpark vom Niemandsland der Bahnbrache ab.

Auf einem alten Luftbild ist zu erkennen, dass es hier schon eine Sackgasse gab, als die Wendeschleife noch in Betrieb war. Die beiden 70er-Jahre-Blöcke Feldpark 4 und 6 standen zwischen Ackerland und Schrebergärten und waren noch nicht umzingelt von der Feldpark-Wohnanlage, dem Loop-9-Kubus und dem markanten Olgati-Bau mit den ellipsenförmigen Öffnungen an der Westfassade.

Ob damals schon jemand darauf spekulierte, die Strasse dereinst über das Bahntrassee hinaus zu verlängern?

Später werde ich im Web auf den Bebauungsplan Unterfeld Baar Schleife Zug stossen. Das jetzt noch bewirtete Wiesland entlang des Schleifewegs, der der Biegung des Bahntrassees folgt, soll über die Stadtgrenze hinaus überbaut werden. Die Bahnbrache soll in die Umgebungsgestaltung der Grosssiedlung einbezogen werden. Wo jetzt Schienen und Schwellen des Stummelgleises vor sich hin rotten und Fauna und Flora ihren Lebensraum zurückerobern, soll in Zukunft der hierher verlegte Stampfibach fliessen. Die letzten noch vorhandenen Zeugen der Schleife-Instrastruktur sollen einer Natur-Simulation Platz machen.

Die Peripherie rückt ins Zentrum. Ich stelle mir vor, wie es dann sein wird, den Schleifeweg entlang zu schlendern: auf der einen Seite die Hochhausfronten der neuen Grossüberbauung, auf der anderen das künstliche Naturreservat und die dahinter liegenden Hochglanzblöcke Loop-9 & Co. Die Sackgasse wird dann zur Zufahrtsstrasse ausgebaut sein. Ich überquere sie in Gedanken versunken.

 

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