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Schlagwort-Archive: Akustik

Auf meinen Klangausflügen durch die Stadt Zug habe ich einige Überraschungen erlebt, die ich in dem Ausmasse nicht erwartet hätte. Dass die Klangkulisse in der Innenstadt entlang der Hauptverkehrsachse sehr laut sein wird, habe ich vermutet. Dass gewisse Orte, wie die Badeanstalt Siehbach oder der Platz hinter dem Neustadt Schulhaus, ruhig sein werden, wusste ich. Überrascht hat mich aber zum Beispiel die Ruhe des Bahnhofsplatzes. Wirklich erstaunt war ich aber über die sehr schnell stark ändernden akustischen Klanglandschaften auf engem Raum, die mir zuvor noch nie bewusst in der Stadt aufgefallen sind. Einer dieser extremen Änderungen findet zwischen Kolinplatz und Landsgemeindeplatz statt. Die Plätze sind über das schmale Gässchen vor der Polizei beinahe miteinander verbunden, klanglich jedoch komplett unterschiedlich. Im Gegensatz zu dem lauten, verkehrsreichen, hektischen Kolinplatz ist der Landsgemeindeplatz wunderbar ruhig und friedlich. Die nördliche Häuserreihe schottet den Platz ziemlich effektiv vom Verkehrslärm der Neugasse ab. Der grosse weitläufige Landsgemeindeplatz ist nicht nur ruhig, sondern wirkt auch akustisch „überschaubar“. Diese Tatsache verdankt er mit grosser Wahrscheinlichkeit seiner Geschichte und früheren Funktion und mit dem Glück, dass sich der Platz trotz Umgestaltungen nicht gross verändert hat und verkehrsfrei geblieben ist.
Am 2. Mai 1847 fand die letzte ordentliche Landsgemeinde der Stadt Zug statt. Der 19. Ausgabe von der liberal ausgerichteten Zeitung „Der freie Schweizer“ vom 7. Mai 1847 entnehmen wir dazu folgenden Bericht (Auszug):

“Der erste Maisonntag versammelte die Bürger von Stadt und Land wieder zur alljährlich ordentlichen Landesgemeinde; obgleich von äußerst warmen Frühlingslüften begünstigt, war sie dennoch nicht ausnehmend stark besucht. Die Befürchtungen der „katholischen Staatszeitung aus Luzern“ traten nicht ein; es fand keine Störung im gewöhnlichen Gang der Geschäfte statt. Außer dem Wirbeln des Tambours und dem vielleicht ermüdenden Unisono der Lobredner Zugerischer Zustände auf der Tribüne, dem aber die muntere Schaar der Bergleute von Menzingen mit ihrer heiteren, lebensfrohen Musik Anfang und Ende setzten, vernahm das Ohr des Zuhörers nichts Außergewöhnliches. – Hr. Landammann, C. Bossard, eröffnete die Landsgemeinde mit einer kurzen, passenden Anrede an das Volk und die versammelten Landesväter; er schilderte die Bedeutung des Tages und das Erhabene des Anblickes, den ein ganzes Volk, welches sich an einer durch die Geschichte geweihten Stätte versammelt um in ernster Stimmung des Bürgers höchste Rechte und Pflichten auszuüben, gewährt. Einen Gesammtüberblick auf das Zugerische Staatsleben werfend, äußerste er sich in sehr wohlwollender Weise über den Ruhe und Frieden liebenden Sinn des Zuger’schen Volkes, so daß ihm das Lob zu Theil werden müsse, unter allen Völkern des schweizerischen Staatenbundes vielleicht das einzige zu sein, welches von Anarchie oder gewaltsamer Umwälzung seither frei geblieben sei. Nachdem er von seiner Kenntniß der speziellen Landesgeschichte durch die Erzählung des Umstandes, der wie vielte Ammann, der die Landsgemeinde präsidiere, er sei, Zeugniß zu geben versucht, die Würde der Amtstelle als eine durch die Zeitverhältnisse drückende Bürde erklärt, sich des weitern belobend über die Verwaltung und deren verschiedene Zweige ausgesprochen hatte, legte er die Ammannsstelle zur freien Verfügung in die Hände des Volkes nieder. – Der Reihe nach trugen nun die durch den ersten Landschreiber zur Umfrage aufgerufenen Präsidenten der verschiedenen Kantonsgemeinden auf die Bestätigung des Hrn. Landammann C. Bossard in seiner Amtswürde wiederum an, welcher sodann in dieser Eigenschaft die Landsgemeinde weiter führte. – Es folgte nunmehr die verfassungsgemäße Bestätigung der ersten Landschreibers und die Wahlen der Gesandten für nächstfolgende Tagsatzung in Bern. Hr. I. A. Schön wurde im Amte eines ersten Landschreibers wiederum bestätigt. Zu Tagsatzungsgesandten wurden auf Vorschlag des Hr. Statthalters Keiser-Imhof die beiden HH. Landammänner, Bossard und Hegglin, jener als erster, dieser als zweiter, gewählt. Nach Erschöpfung der Traktanden und feierlicher Beeidigung der Landsgemeinde durch den vorsitzenden Herrn Landammann, waren die Verhandlungen als geschlossen erklärt.“

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Am 31. Mai und 1. Juni 1897 wurde die Strecke Zug – Goldau der Gotthardbahn gefeiert und eröffnet. Für diesen Zweck wurde der Bahnhof an den heutigen Standort verschoben und befand sich danach zu damaliger Zeit noch weiter von der Stadt entfernt als zuvor (die Gotthardbahn-Gesellschaft bestand wider den Willen der Zuger darauf). Obwohl die Eisenbahn zu der Zeit schon seit einigen Jahren im Kanton verkehrte, tangieren die Schienen zum ersten Mal direkt die Stadt über den Viadukt, kreuzen Bahnhofstrasse und Poststrasse und verschwinden im Dunkel des Stadttunnels hinter dem Postgebäude.
Der Anschluss an die Europäische Bahnstrecke läutete so sinnbildlich einen Aufbruch in ein neues industrielles, wirtschaftliches und touristisches Zeitalter der Stadt ein. Damit verbunden sind auch klangliche Landschaftsveränderung der Stadt.
Fast genau 100 Jahre zuvor schrieb Carl Julius Lange in seinen Berichten „Ueber die Schweiz und die Schweizer“ (1796, Band 2, S. 161 ff.):

„Folgen Sie mir wieder nach Zug. Ehe ich diesen Kanton verlasse, habe ich Ihnen noch das Eine und Andere davon zu erzählen. Da man hier gar keine Fabriken und Manufakturen hat, und da sich alles vom Ackerbau und der Viehzucht nährt, so entsteht daraus eine grosse Menschenleere und Geschäftlosigkeit in der Hauptstadt, weil die ganze Thätigkeit sich auf dem Lande, auf den Alpen, in den Feldern konzentrirt. Wer also das stille und bewegungsleere Zug als den Maassstab der Bevölkerung des ganzen Kantons annehmen wollte, würde sich sehr betrügen; da dieser Kanton als der volkreichste in der ganzen Schweiz angesehen wird, und in Betracht seines sehr eingeschränkten Flächenraums auch füglich dafür gelten kann. Was mir in der Stadt am meisten missfällt, sind die vielen müssigen wohlgemästeten Pfaffen, die einem alle zwei Schritte zu grossem Missbehagen aufstossen. Diese Larven der Mässigkeit voll innerlicher Leidenschaft. Diese Sittenlehrer ohne Sitten; diese Toleranzprediger, deren ganzes Wesen von oben bis unten die grimmigste Intoleranz ist. Sie sind eine schwere Aufgabe in einem demokratischen gut regierten Freistaat. – Es ist ein glüklicher Umstand für die Freiheit dieses Kantons, dass der Stadt- und Amt-Rath, der in Zug seinen Siz hat, nicht aus lauter Städtern besteht. Zu den 40 Gliedern, die diesen höchsten Rath ausmachen, gibt die Stadt 13, die äussern Ämter aber 27, wodurch eine glükliche Mehrheit von Seiten des Landvolks entsteht, dessen Repräsentanten auch den meisten und kräftigsten Freiheitssinn in den Rath bringen.
Übrigens bin ich mit den Bewohnern dieses Kantons zufriedener, als mit ihren Brüdern in den aufgeklärtern Kantonen. Die Zuger sind im Ganzen thätig, ehrlich, genügsam, und – obgleich dem Jupiter Xenios, dem Gott der Gastfreundschaft, in der Schweiz eben keine glänzenden Altäre prangen – auch hin und wieder gastfrei.“

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