Archiv

Schlagwort-Archive: Beschleunigung

Die Veränderung des Stadtklangs geht auch einher mit dem technischen Fortschritt. Einschneidend muss die Einführung des Automobils zur Jahrhundertwende gewesen sein, vor allem im beschaulichen Städtchen Zug.
In der (sehr empfehlenswerten) Rubrik „Das Staatsarchiv erzählt“ der „Personalziitig“ schreibt Renato Morosoli in der Ausgabe 44/08 auf S. 19:

„«in letzter Zeit» habe man in Zug «wiederholt eine sog. Motorkutsche, ein sehr leichtbewegliches elegantes, durch einen Petrolmotor in Bewegung gesetztes Vehikel» gesehen, wussten die «Zuger Nachrichten» im Mai 1896 ihrer Leserschaft zu berichten. Sie wiesen damit auf eine Erfindung hin, die an der Wende zum 20. Jahrhundert am Anfang eines unglaublich dynamischen und folgenreichen Aufstiegs stand, sich aber in ihren Anfängen weitherum sehr unbeliebt machte.

Exzessiv schnell
Verkehrsmittel, die sich mit Maschinenkraft bewegten, waren den Zugern schon länger bekannt, fuhr doch die Eisenbahn seit einigen Jahrzehnten auch durch den Kanton Zug. Diese nutzte jedoch ihren exklusiven Schienenstrang, während die neuen «Vehikel» auf alten, dafür nicht geeigneten Wegen fuhren und dort die bisherigen Benutzer, die Fussgänger, Fuhrleute und Kutscher, in Gefahr brachten, an den Rand drängten, mit Staub einhüllten und durch Lärm belästigten. Besonders bedrohlich war das Tempo der «Motorkutscher» oder «Automobile», die sich im Vergleich zum bisherigen, gemächlichen Verkehrsfluss in der Wahrnehmung der Zeitgenossen geradezu exzessiv schnell bewegten.
Deshalb war auch die Zuger Regierung 1902 rasch bereit, «für den Verkehr mit Automobilwagen für das Publikum schützende Bestimmungen» aufzustellen. Schon bisher hatte es einige Vorschriften für Fuhrleute und Reiter gegeben. Das Strassengesetz von 1886 zum Beispiel verbot das «schnelle Reiten oder Fahren über Brücken, in engen Durchpässen und Strassenbiegungen, durch Ortschaften, sowie durch Volksmengen, Märkte und Viehherden», untersagte «unnöthiges Peitschenknallen durch die Ortschaften» und regelte das Vorgehen beim Kreuzen oder Überholen anderer Fuhrwerke. Die laute, dominierende Präsenz der «Automobilwagen» auf den Strassen verlangte aber zusätzliche Einschränkungen.

Weiterlesen …

Städte bestehen aus festgefügten Architekturen und sind doch permanenten Veränderungen unterworfen. Im Zuge der Globalisierung hat sich ein radikalisierter Kapitalismus über alle Grenzen hinweg zunehmend aller Lebensbereiche und der Stadt bemächtigt.

Zug ist eine Stadt der Widersprüche. Es ist eine Stadt, die zwischen Alt und Neu balanciert, zwischen den Zugstämmigen und den Neuansässigen, den Neureichen und den Geringverdienern. In den letzten Jahren sind diese Widersprüche angesichts des Rekords niedriger Steuerraten noch sichtbarer geworden.

Ungezügelte Geschwindigkeit begleitete den Bau von Luxuswohnblocks, Büroräumen und Geschäften, die zum Kennzeichen des „neu entwickelten“ Zug geworden sind.

Aus meiner Sicht, muss sich das architektonische Wachstum der Stadt den Notwendigkeiten des Alltags anpassen. Eher als der Wandel der Stadt, interessiert mich die Geschwindigkeit der Neuerung und deren Konsequenzen und Wirkungen, die auf die Einwohner Einfluss nehmen, sowie auch die Frage, in welchem Maß diese Bauschnelligkeit unser tägliches Leben beeinflusst.

Städte werden von uns verändert, und gleichzeitig verändern sie unser Verhalten, unser Benehmen und unsere zwischenmenschliche Beziehungen.

 

Mit meinem Video ziehe ich die Aufmerksamkeit auf die Beschleunigung des Wachstums und möchte dessen Auswirkung spüren lassen.

Das Video wurde an der Hofstrasse 9 aufgenommen, den 22. Januar 2014 von 15.00 bis 16.00. Eine Stunde des Hofstrasse-Lebens habe ich in 5 Minuten konzentriert.