Archiv

Schlagwort-Archive: Immobilien

– Inventar des Dazwischen

Die Zuger Schleife sticht ins Auge: Zusammen mit den SBB-Gleisen umrahmt sie das Gebiet westlich des Bahnhofs in Form eines seitenverkehrten Q und lässt es auf Stadtplänen, Landkarten und Satellitenbildern deutlich hervortreten. Jedenfalls tat sie das bis vor Kurzem. Heute ist die markante Struktur in Auflösung begriffen.

Auch das von ihr umfasste Gebiet befindet sich im Wandel: Die heterogen besetzte Randzone, die jahrzehntelang durch die Entwicklung von Landis&Gyr geprägt war, wird zu einem kompakten Stadtquartier umgebaut. Noch sind Bruchlinien sichtbar. Eine Spurensuche entlang von dem, was bald nicht mehr oder noch nicht ist – und eine Bestandesaufnahme.


Siemens-Areal (Süd)

avz_si_p07_01 avz_si_p07_02

Der Blick geht nach oben, der Kopf legt sich in den Nacken. Fensterreihe türmt sich auf Fensterreihe bis zur Dachkante, wo das Gebäude den Himmel berührt. 80 Meter ragt der dunkle, schlanke Solitär in die Höhe. Der Blick senkt sich wieder. Viele Rollläden sind heruntergelassen. Durch manche Scheiben sind Einrichtungsgegenstände zu erkennen. Die Gebäudehülle aus schlichten Fensterelementen bietet nichts, das den Blick fesseln könnte.

Weiterlesen …

avz_sw_p01_01

Dass Bäume der Vögel wichtigster Lebensraum sind, unser Landschaftsbild verschönern und zum Klettern animieren, wissen die Menschen zwischen Rorschach und Lausanne, aber nur Leute, die in wirklich exklusiven Lagen wohnen, vorzugsweise als Stockwerkeigentümer an Hanglage in Zug, sind sich im Klaren darüber, dass Bäume eigentlich stören. Sie rauben uns den Seeblick.

So kam es, dass an der Eigentümerversammlung das Traktandum „Baum“ zu behandeln war. Die drei Eschen in unmittelbarer Nähe zum Kinderspielplatz waren kaum gepflanzt und streckten ihre zierlichen Äste mit den wenigen, im Sonnenlicht fast durchsichtig schimmernden Blättern erst zaghaft gegen aussen, schon wurden sie zum Thema. Die Eigentümerin aus dem 3. Stock schlug vor, die Höhe der Bäume – es waren eher Bäumchen – „einzufrieren“: Konkret gefordert wurde ein Wachstumsstopp. Man möge doch bitte bereits jetzt, so der Vorschlag, wo der Baum noch nicht allzu weit gediehen sei, dessen definitive Höhe bestimmen: bis hierher – und nicht weiter. Der Einwand eines Sitzungsteilnehmers, die Bäume würden dereinst als Schattenspender für im Sandkasten spielende Kinder eine wichtige Funktion einnehmen, wurde umgehend, mit energischer Handbewegung negiert: „Die Kleinen können einen Sonnenhut anziehen!“ Es war klar, worauf die Angelegenheit hinauslief: die Dame hatte ihre Wohnung mit dem wertsteigernden Hinweis „Seeblick“ gekauft und dieser – nicht ein diffuser Blätterblick – sollte auch bei einem allfälligen Wiederverkauf erwähnt werden können. Dass Bäume wachsen, hatte der Dame zuvor niemand gesagt. (Und dass der Schnitt das Wachstum anregt, schon gar nicht)

Weiterlesen …