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Schlagwort-Archive: Lebensraum

– Inventar des Dazwischen

Die Zuger Schleife sticht ins Auge: Zusammen mit den SBB-Gleisen umrahmt sie das Gebiet westlich des Bahnhofs in Form eines seitenverkehrten Q und lässt es auf Stadtplänen, Landkarten und Satellitenbildern deutlich hervortreten. Jedenfalls tat sie das bis vor Kurzem. Heute ist die markante Struktur in Auflösung begriffen.

Auch das von ihr umfasste Gebiet befindet sich im Wandel: Die heterogen besetzte Randzone, die jahrzehntelang durch die Entwicklung von Landis&Gyr geprägt war, wird zu einem kompakten Stadtquartier umgebaut. Noch sind Bruchlinien sichtbar. Eine Spurensuche entlang von dem, was bald nicht mehr oder noch nicht ist – und eine Bestandesaufnahme.


Grafenau

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«Grafenau 1, 3» – das erste Mal, als ich das Strassenschild sah, stand noch «Albisstrasse» darauf, da bin ich mir ganz sicher. Ich erinnere mich daran, weil ich nach dem Schild gesucht hatte. Ich wollte wissen, wie die Adresse des alten Hauses lautet, das ich eben entdeckt hatte.

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– Inventar des Dazwischen

Die Zuger Schleife sticht ins Auge: Zusammen mit den SBB-Gleisen umrahmt sie das Gebiet westlich des Bahnhofs in Form eines seitenverkehrten Q und lässt es auf Stadtplänen, Landkarten und Satellitenbildern deutlich hervortreten. Jedenfalls tat sie das bis vor Kurzem. Heute ist die markante Struktur in Auflösung begriffen.

Auch das von ihr umfasste Gebiet befindet sich im Wandel: Die heterogen besetzte Randzone, die jahrzehntelang durch die Entwicklung von Landis&Gyr geprägt war, wird zu einem kompakten Stadtquartier umgebaut. Noch sind Bruchlinien sichtbar. Eine Spurensuche entlang von dem, was bald nicht mehr oder noch nicht ist – und eine Bestandesaufnahme.


Gartenstadt

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«Stadt Zug Gartenstadt» tippe ich in die Google-Suchzeile ein. Ich will mich über die historische Arbeitersiedlung schlau machen, deren hinterste Häuser an den alten Bahndamm angrenzen. Bei einigen Häusern habe ich Lücken in den Hecken zum Damm entdeckt. Sie verbinden die Liegenschaften mit Pflanzplätzen, die ihre Bewohner im schmalen Streifen am Fuss des Damms angelegt haben. Andere führen zu Trampelpfaden über den Damm. Die Szenerie entlang des langen, graden Stücks der ehemaligen Wendeschleife, das sich Richtung See erstreckt, hat etwas Verträumtes.

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– Inventar des Dazwischen

Die Zuger Schleife sticht ins Auge: Zusammen mit den SBB-Gleisen umrahmt sie das Gebiet westlich des Bahnhofs in Form eines seitenverkehrten Q und lässt es auf Stadtplänen, Landkarten und Satellitenbildern deutlich hervortreten. Jedenfalls tat sie das bis vor Kurzem. Heute ist die markante Struktur in Auflösung begriffen.

Auch das von ihr umfasste Gebiet befindet sich im Wandel: Die heterogen besetzte Randzone, die jahrzehntelang durch die Entwicklung von Landis&Gyr geprägt war, wird zu einem kompakten Stadtquartier umgebaut. Noch sind Bruchlinien sichtbar. Eine Spurensuche entlang von dem, was bald nicht mehr oder noch nicht ist – und eine Bestandesaufnahme.


Schleife Nord (West)

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Irgendwo müssen hier die Nussbäume stehen. Der Unterton, in dem sie erwähnt wurden, liess erahnen, wie imposant sie sind. Doch da, wo ich die prächtige Allee vermute, sind keine alten Bäume zu finden. Das Bahntrassee selbst wirkt wie leergefegt. Ein Gras bewachsenes Band zieht sich der Wohnsiedlung entlang, welche die Schleife hier ausfüllt. Zwischen der Überbauung und dem Trassee verläuft ein Graben, der von einem schmalen Bachlauf durchzogen ist. Eine Betonbrücke führt hinüber. In ihre Geländer ist weithin sichtbar der Name Feldhof eingegossen. Das Rinnsal, das die Monotonie der Grasbandes wenigstens etwas auflockert, vermag an meiner Enttäuschung darüber, dass die Nussbäume verschwunden sind, nichts zu ändern.
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Unter anderem ist Zug für seinen Reichtum bekannt. Grosse internationale Firmen, gut bezahlte Kaderleute, Steueroasen: die ganze Palette. Versteckter Reichtum in Form von Banktresorfächern gefüllt mit Bargeld, Juwelen und anderen Kostbarkeiten oder in Kellern versteckte Kunstwerke: Zug fehlt’s an nichts.

Aber da sind noch andere Kostbarkeiten, Juwelen für alle. Das sind die Plätze welche ich auch nach meinen 30 Jahren in Zug immer noch gerne aufsuche. Jedesmal bleibe ich stehen und geniesse. Und das Schauen erzeugt ein intensives Gefühl der Zufriedenheit.

Hier sind sie: einige meiner Juwelen von Zug.

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Der Pendler bewegt sich täglich auf derselben Wegstrecke zwischen Wohnort und Arbeitsstelle. Seine Ansichten von Zug formen sich auf dieser Wegstrecke. Welche Eindrücke haben diejenigen, welche diesen Ort Tag für Tag der Arbeit wegen streifen?

Diese Frage veranlasst Isabelle Marrel, verschiedenste Zugpendler anzusprechen. In einer kurzen Begegnung begleitet sie diese auf dem letzten Stück ihres Arbeitsweges vom Bahnhof Zug aus zu deren Arbeitsplatz und hört sich ihre Ansichten über die Stadt Zug an.

 

07.04.2015: Bahnhof Zug – Bahnhofstrasse

I began to work in Zug only last week. When I came here for the first time, I felt lost. But then I took the bus that went by the lake. So I thought, yes, it is really beautiful. I mean if you go to the lake. But otherwise it’s quiet. I have to take the bus direction Postplatz. I wear high heels, because of that I take the bus to go to work. For going back to the station I always walk because of the traffic.
That’s the problem. I haven’t seen yet other places. I only go from the main station to my work which is only two bus stations further. So there is not really a lot to see. Maybe I should take the time to look around. I mean probably later. You have only a couple of minutes left for going to work, that is the problem. When you finish work you are in a hurry to catch the train home. But if you come at the weekend you would really have the time to look around, maybe. But then you don’t go to Zug. On the weekends I stay in Zürich, there are more interesting things to see.
Before I came here, I only knew that the taxes in Zug are really cheep and the rents expensive. I don’t know, I haven’t heard about other things only about taxes. I hear that everywhere I go: “Oh yah, Zug is just good for taxes.” I mean what is special about Zug except the taxes?
Maybe there are other things but I think everyone has terms just about taxes.

It’s not crowded here. But here it is much like anywhere else in Switzerland I guess. People are minding their business and they don’t really care about other people, so they just pass you by. They don’t really look at each other. I mean Zürich is a lot more international so you got a lot more international people there, so maybe it is a little bit warmer because of the fact that a lot of people come from different places. Here there are also a lot of international people, but they’re just coming for work. And everyone is in a rush to go to his or her place of work and then just catch a train back. Yes, I think it’s a lot warmer in Zürich.
No, I couldn’t imagine living here. Maybe if I was in a way older and wouldn’t have much to do on the weekend or if you don’t care about things to do on the weekend. I like to meet different people and go to different places.

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Der Pendler bewegt sich täglich auf derselben Wegstrecke zwischen Wohnort und Arbeitsstelle. Seine Ansichten von Zug formen sich auf dieser Wegstrecke. Welche Eindrücke haben diejenigen, welche diesen Ort Tag für Tag der Arbeit wegen streifen?

Diese Frage veranlasst Isabelle Marrel, verschiedenste Zugpendler anzusprechen. In einer kurzen Begegnung begleitet sie diese auf dem letzten Stück ihres Arbeitsweges vom Bahnhof Zug aus zu deren Arbeitsplatz und hört sich ihre Ansichten über die Stadt Zug an.

 

11.03.2015: Bahnhof Zug – Bahnhofstrasse

Ja ich kenne besonders diese Strecke gut, da es mein Arbeitsweg ist, aber ich geh auch öfters mal am Mittag beim See spazieren.
Ich finde es immer wieder bedauerlich, dass die Leute gar nicht mehr mitkriegen, wo sie denn eigentlich wohnen. Aber je länger ich darüber nachdenke, umso klarer wird mir, dass das bei mir dasselbe ist.
Das Schöne an Zug ist, dass Zug – trotz des ganzen Wahnsinns, der hier passiert – seinen Dorfcharakter erhalten hat.
Nachdem jetzt auch hier busweise „Uhrenkäufer“ angekarrt werden, finde ich es mittags nicht mehr so schön. Also nichts dagegen, ich kann ja verstehen, dass die hier alle auch an dem partizipieren wollen wie in Luzern. Aber es hat so halt ein bisschen weniger Charakter.
Man hat auch hier seine berühmten Bausünden. Nachdem der Coop City wieder neu gemacht wurde, finde ich ihn zwar schöner – er ist etwas heller. Naja, er ist weiterhin ein Klotz.

Der Eindruck von Zug entspricht eigentlich auch dem Eindruck, den man ziemlich überall bekommt. Jede Möglichkeit, um etwas zuzubauen, wird genutzt, um so das Ganze noch etwas mehr zu pushen. Das ist ja menschlich verständlich, aber ich denke, das wird irgendwann mal böse nach hinten losgehen. So was kann man nur einmal machen. Meiner Meinung nach wohnen die Leute hier auch wegen der tiefen Steuern, aber das ist dann die berühmte Klientel. Sicher auch wegen der Ruhe, der Ordnung und der Sicherheit. Ob dies dann auf die Dauer gewährleistet bleibt, wenn solche Gettos entstehen, ist fraglich.
Ich wohne jetzt schon 6 Jahre hier in der Schweiz. Es hat sich in dieser Zeit extrem viel verändert. Auch die Mentalität der Menschen. Da kommt auch immer mehr die „Geiz ist geil-Nummer“ raus. Also ich glaube nicht, dass das eine gute Entwicklung ist.

Selbst hier zu wohnen, könnte ich mir nicht erlauben. Aber abgesehen davon, könnte ich es mir doch vorstellen. Zug ist noch überschaubar – also das „reine Zug“. Das, was ein paar Meter dort weiter hinten abgeht, ist es nicht mehr.
Zug ist für mich eine Stadt, die tagsüber pulsiert und abends relativ tot ist. Und das finde ich angenehm, denn ich komme aus einem Land, wo alles liberalisiert wurde. Angefangen bei den Öffnungszeiten, usw. Das heisst, es ist den ganzen Tag etwas los, aber die Leute fühlen sich deswegen wahrlich nicht wohler. Sie können dort bis 22.00 Uhr einkaufen – aber warum müssen sie das? Diese Tendenzen spüre ich hier auch. Zudem hat Zug so gute Verbindungen zu den naheliegenden grösseren Städten wie Zürich und Luzern. Aber das schätzt man hier schon gar nicht mehr, das war einfach schon immer da. Tagsüber kommen die Leute unter anderem von Zürich hierher zum Arbeiten und abends fahren die Leute, die hier wohnen, nach Zürich um zu feiern. Das ist widersprüchlich, aber trotzdem die ganz normale Entwicklung. Sie wollen hier in Zug ja auch nicht in einer Dorfdiskothek feiern.
Und ich finde es auch toll hier, dass es so sauber ist.
Aber sagen wir es mal so: Aufgrund der äusseren Umstände, die auf die Stadt Zug wirken, hat sie sich eigentlich noch wacker gehalten. Ja, jetzt ist dann langsam fertig – wenn ich mir die Bauerei so anschaue. Schauen wir mal da in Richtung Baar, da ist ein Betonklotz an den anderen gebaut. Solange es noch immer wunderbar nach vorne geht, ist das alles toll. Dann werden die auch vermietet. Irgendwann, wenn die Säge aber mal klemmt, dann werden solche Gegenden ganz schnell zu dem, was wir schon erlebt haben. Das kann man sich in anderen Ländern schon lange angucken. Das verstehe ich nicht immer so ganz. Denn es gibt so viele Dinge, die man sich bei anderen abschauen könnte. Wenn man das nicht wüsste, wäre es ok. Aber so ist es nicht. Und dann ist es eher ein extremer Egoismus. Natürlich kann man im Moment bei diesen Grundstückpreisen eine hohe Rendite machen. Aber für spätere Generationen wird’s schwierig werden. Aber eben, Zug hat sich auf dieses Geschäftsmodell eingelassen.

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