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– Inventar des Dazwischen

Die Zuger Schleife sticht ins Auge: Zusammen mit den SBB-Gleisen umrahmt sie das Gebiet westlich des Bahnhofs in Form eines seitenverkehrten Q und lässt es auf Stadtplänen, Landkarten und Satellitenbildern deutlich hervortreten. Jedenfalls tat sie das bis vor Kurzem. Heute ist die markante Struktur in Auflösung begriffen.

Auch das von ihr umfasste Gebiet befindet sich im Wandel: Die heterogen besetzte Randzone, die jahrzehntelang durch die Entwicklung von Landis&Gyr geprägt war, wird zu einem kompakten Stadtquartier umgebaut. Noch sind Bruchlinien sichtbar. Eine Spurensuche entlang von dem, was bald nicht mehr oder noch nicht ist – und eine Bestandesaufnahme.


Grafenau

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«Grafenau 1, 3» – das erste Mal, als ich das Strassenschild sah, stand noch «Albisstrasse» darauf, da bin ich mir ganz sicher. Ich erinnere mich daran, weil ich nach dem Schild gesucht hatte. Ich wollte wissen, wie die Adresse des alten Hauses lautet, das ich eben entdeckt hatte.

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Auf die lange Tradition des Ausrufers haben bereits vor fast genau vier Jahren Remo Hegglin und Michael Elsener mit ihrem Projekt „Fünf vor Zwölf – Jetzt spricht der Zytturm“ wieder aufmerksam gemacht.
Turmwache und Zeitansage wurden früher noch vom Wärterstübli des Turms aus gemacht, der Ausrufer begab sich im Verlauf der Zeit aber auf die Strassen Zugs und wurde mobil. Bemerkenswert ist, dass Zugs letzter Ausrufer Alfred Hirschi, bekannt als „de Hirschi“, bis in die 1950er Jahre noch als Ausrufer gewirkt hat, während in den meisten Städten Europas dieser Beruf ab Ende des 19. Jh. abgeschafft wurde. Murray Schaefer, auf dessen Buch „The Soundscape“ (1994) ich mich hier immer wieder beziehe, schreibt, dass ab 1960 Istanbul die einzige europäische Stadt sei, in der man noch regelmässig Ausrufer hören konnte.

Im Zuger Kalender von 1958 wurde Alfred Hirschi mit folgendem Nachruf verewigt (S. 84 f.):

„Er ist 72 Jahre alt gewesen, der Hirschi, als er am 2. Dezember 1956 starb. Für einen so eifrigen Propagandisten des Vereins für Volksgesundheit und einen so überzeugten Anhänger der leguminösen Kost und der offenen Sandalen und offenen Hemdbrüste ist das nun zwar kein hohes Alter. Für einen so voluminösen alten Herrn aber, der von derart vielen Rippen- und weiss nicht was für -brüchen zu erzählen wusste, sind 72 Jahre immerhin wieder eine respektable Leistung.
Wir wollen wetten: der Hirschi wäre nie in den Kalender gekommen, wenn er nicht Stadtausrufer – und was für einer! – gewesen wäre. Denn das am 29. Mai 1884 angehobene Leben des einfachen Landberners, der 1918 nach Zug gekommen war, und der hier noch mit dem gelben Postwagen die Tour zwischen Bahnhof und Postgebäude gemächlich und, wie man erzählte, oft mit traumwandlerischer Sicherheit oder gar Verschlafenheit gefahren ist, hätte im gemütlichen und unauffälligen Pensionistenzustand still und zuversichtlich sein Ende gefunden, wenn eben nicht …

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