Archiv

Schlagwort-Archive: Stadtraum

Spielwarengeschäft Franz Carl Weber, Bahnhofstrasse 28. Das Gebäude wird Steinhof genannt. Glas, Aluminium und weisse Steinbodenplatten, bei Nässe rutschig.

Seit ich ein Kind war, befindet sich an dieser Stelle dieser Laden. Vielleicht ist das bemerkenswert. Vielleicht ist es auch bemerkenswert, dass heute mehr als 90 weitere Firmen im Steinhof domiziliert sind. Ein Gedränge muss das sein. Ein paar Arztpraxen sind ja auch noch da.

Bei Franz Carl Weber, in diesem Paradies, endete der Spaziergang, der meinen Schulfreund und mich nach Unterrichtsende durch die Stadt geführt hatte.

Unser Mathematiklehrer war ein grosser, schöner, rätselhafter Mann. Ich tat in seinen Lektionen nichts anderes, als seinem Blick auszuweichen. Er hatte sich irgendwann im laufenden Schuljahr den Spass erlaubt, uns mit «Kinder» anzureden. Das hatte uns 14-Jährige heftig empört.

Im Kinderparadies hielt ich mir wieder den Fotoapparat vors Gesicht und machte ein Bild von diesem Kind, das mit Legos spielte. Beide spielten wir: das Kind mit Legos, ich mit dem Fotoapparat.

Zug Steinhof Franz Carl Weber Dezember 1972

Weiterlesen …

Zug Hirschenplatz Dezember 1972

Das Foto habe ich vor vielen Jahren während eines Spaziergangs in Zug aufgenommen. Er führte vom Schulhaus Athene zum Spielwarengeschäft Franz Carl Weber.

Als ich ihr das Foto zeige, sagt die junge Frau im Fotogeschäft an der Ecke Ägeristrasse–Zeughausgasse: «Ich weiss, wo das ist. Dort werden auch heute noch Weihnachtsbäume verkauft». Und bei ihr, in diesem Laden, gibt es heute noch Filme zu kaufen, Fotopapiere, Fotochemikalien.

Vor ein paar Wochen habe ich ihr zwei Filme zum Entwickeln gebracht, zwei Kodak Tri X, und hole sie nun ab. Mit einem Kodak Tri X fotografierte ich auch damals, auf jenem Spaziergang vom Schulhaus Athene zum Spielwarengeschäft Franz Carl Weber.

Weiterlesen …

Der Pendler bewegt sich täglich auf derselben Wegstrecke zwischen Wohnort und Arbeitsstelle. Seine Ansichten von Zug formen sich auf dieser Wegstrecke. Welche Eindrücke haben diejenigen, welche diesen Ort Tag für Tag der Arbeit wegen streifen?

Diese Frage veranlasst Isabelle Marrel, verschiedenste Zugpendler anzusprechen. In einer kurzen Begegnung begleitet sie diese auf dem letzten Stück ihres Arbeitsweges vom Bahnhof Zug aus zu deren Arbeitsplatz und hört sich ihre Ansichten über die Stadt Zug an.

 

08.04.2015: Bahnhof Zug – Zählerweg

Ja, ich nutze verschiedene Wege, um zu meinem Arbeitsplatz zu gelangen. Heute nehmen wir darum den schöneren von allen. Ich muss aufpassen, was ich über Zug erzähle, denn ich bin Luzerner.
Hauptsächlich diese Strecke hier kenne ich gut, aber es ergibt sich ab und zu, dass ich nach vorn in die Altstadt gehe. Insbesondere, wenn wir internationalen Besuch erhalten, dann gehen wir mit ihnen gerne dort essen und alle sind immer schwer beeindruckt vom See und der Altstadt. Das gefällt allen gut, mir eigentlich auch. Ich bin vor allem beeindruckt vom Uferweg vorne am See, wo man direkt dem See entlang gehen kann, dort hat es teils etwas Verwinkeltes und Verborgenes.
Dieses Gebiet hier kenne ich als Arbeitsort, vorne ein paar repräsentative Plätze und vielleicht noch ein paar Dienstleistungsbetriebe dazwischen, irgendeine Bank oder einen Mobile-Shop, so etwa. Und ich kenne noch die Sporthalle und das Herti-Schwimmbad.
Das sind zwei verschiedene Welten, die eine ist nicht so schön und die andere schon. Das hier ist halt so eine Businesswelt – etwas kalt, obwohl man versucht, sie so menschlich wie möglich zu gestalten mit diesen Bäumen – vorher war hier ein Parkplatz. Auch wenn man hier nicht gross herumhängt, ist das Ganze löblich.
Von aussen her gesehen, finde ich Zug meist etwas langweilig. Wenn man in Zug bleibt, hat man irgendeinen Geschäftsanlass. Nicht dass diese langweilig sind, aber dann lebt das Ganze vom Anlass und nicht von einem kulturellen Angebot, welches Zug von sich aus bietet. Obwohl ich schon lange die Galvanik besuchen will. Und an einen EVZ-Match wollte ich auch mal. Hier im Zentrum ist aber schon das Business wichtiger.


Gewisse Ansichten von Zug sind auch recht hässlich. Ich habe zuvor in Zürich gewohnt, und bin von dort hierher gependelt. Wenn man von Zürich her kommend an Baar vorbei fährt und dann rechts rausschaut, dann sieht es etwas aus wie bei Plattenbausiedlungen. Da denkt man: ok, da wollte man wohl noch etwas günstigen Wohnraum schaffen. Bei den Vorurteilen gegenüber Zug, dass hier nur noch Reiche und Expats wohnen, hat man das Gefühl, dass da noch ein paar Häuser für arme Familien gebaut wurden. Aber ja, wahrscheinlich wohnen diese nicht einmal dort.
Luzern ist Heimat und Zug Arbeitsort. Wohnen würde ich nicht unbedingt hier wollen, weil ich das Gefühl habe, es wohnen nicht mehr die Leute in Zug, mit denen ich in Kontakt sein möchte. Aber ich bin immer wieder überrascht, wie viele nette und sympathische Leute ich dann doch hier treffe, die aus Zug selbst sind. Die Leute sind nicht anders als an anderen Orten, die richtigen Zuger empfinde ich als sympathische gemütliche Leute. Aber es stimmt, es ist schwieriger diese hier anzutreffen. Von aussen betrachtet hat das seinen Preis für Zug. Wenn dieser Preis der ist, dass die jungen Leute nicht mehr in Zug wohnen und nach Luzern ziehen, sei es aus Gründen, dass sie es sich dort eher leisten können oder ihnen das kulturelle Leben mehr zusagt, dann finde ich, ist dass ein recht hoher Preis für Zug, im Gegenzug zur arbeitsintensiven Gegend, die es nun einmal ist.
Aber das ist etwas pauschalisiert. Es ist heute üblich, dass man auf Zug rumhackt.
Aber ich finde Zug eigentlich sehr schön, aber dadurch, dass man hier arbeitet, versucht man die Zeit, die man hier verbringt möglichst kurz zu halten, weil man ja dann wieder nach Hause zur Familie will. Auch als ich in Zürich wohnte, habe ich den Teil, wo das Münster steht, vielleicht ein bis zweimal im Jahr gesehen, weil dies nicht in meinem Lebensraum lag.

avz_im_p06_01

Weiterlesen …

«Die „Tagesbevölkerung“ des Kantons Zug ist um rund 19’000 Personen grösser als die „Nachtbevölkerung“.»
(Pendlerstatistik, Fachstelle für Statistik, Kanton Zug)

«Die Pendlerströme gegenüber den Kantonen Zug und Zürich haben sich im letzten Jahrzehnt verdoppelt und neuerdings pendeln mehr Zürcher nach Zug als umgekehrt.» 
(Der Kanton Zug: Struktur und Perspektiven, Credit Suisse)

 

Der Pendler bewegt sich täglich auf derselben Wegstrecke zwischen Wohnort und Arbeitsstelle. Seine Ansichten von Zug formen sich auf dieser Wegstrecke. Welche Eindrücke haben diejenigen, welche diesen Ort Tag für Tag der Arbeit wegen streifen?

Diese Frage veranlasst Isabelle Marrel, verschiedenste Zugpendler anzusprechen. In einer kurzen Begegnung begleitet sie diese auf dem letzten Stück ihres Arbeitsweges vom Bahnhof Zug aus zu deren Arbeitsplatz und hört sich ihre Ansichten über die Stadt Zug an.

 

18.02.2015: Bahnhof Zug – Gartenstadt

Ich habe die letzten 10 Jahre immer an meinem Wohnort gearbeitet, Pendeln ist von dem her schon etwas Neues für mich. In diesen wenigen Arbeitstagen hier habe ich schon gemerkt, dass man hier genauso schnell zu Fuss die Arbeitsstelle erreicht wie mit ÖV. Anstatt entlang der schnellen Baarerstrasse, gehe ich meist auf den Parallelstrassen hinten durch zur Arbeit. Das ist viel angenehmer und spannender.

Beim Pendeln probiert man zu Beginn aus, wie man am schnellsten von A nach B kommt und wenn man das drauf hat, zieht man dies dann meist immer so durch. Man zirkelt ab, wann genau der Zug fährt und schaut, dass man ihn schnell erwischt.
Dann geht man direkt oder möglichst direkt vom Bahnhof ins Büro und wieder heim.

Als Pendler hat man überhaupt keinen touristischen Eindruck der Stadt. Wenn man sich die Homepage der Stadt Zug anschaut, denkt man „wow, das ist ja wahnsinnig schön hier“. Aber wenn man morgens um 07:30 Uhr mit dem Interregio in die Stadt einfährt, ist der Eindruck ein total anderer. Man ist unter Zeitdruck, anders, als wenn man auf dem Zugerberg spazieren geht oder am See flaniert.

Mich reizt es, auch noch andere Orte von Zug kennen zu lernen – solche, wo man eben nicht durchkommt beim Pendeln. Bis jetzt kenne ich einen Teil am See und einen Teil der Altstadt. Die Stadt als Ganzes muss ich durch meine berufliche Tätigkeit erst kennenlernen. Für mich ist diese Arbeit darum total spannend, weil ich so ständig Neues entdecken kann.

Speziell an Zug empfinde ich dieses Entwicklungsgebiet, wenn man von Zürich in die Stadt reinfährt. Das Ausmass an Bauten ist schon recht gross.
Wenn man durch die Altstadt geht, hat man nicht das Gefühl, am gleichen Ort zu sein. Bei anderen Städten wie Zürich und Bern hat es um diese Altstadt herum noch eine Stadt aus dem 19. Jahrhundert. In Zug treffen Altstadt und Neubauten fast unmittelbar aufeinander. Zug ist sehr dicht bebaut. Es ist eine Stadt mit vielen verschiedenen Gesichtern, die sich sehr stark unterscheiden. Wenn man von aussen her kommt, merkt man auch nicht wirklich, wo die Stadt anfängt und aufhört. Zug und Baar scheinen zusammenzuwachsen.

Ich bin gewohnt, in einer Stadt zu wohnen, die eine andere Masse hat, mit städtischen Wohnquartieren. Zug ist mir etwas zu klein als Stadt. Bern scheint mir da schon städtischer. Ich habe immer in grösseren Städten gewohnt – auf der ganzen Welt.
Zug ist für mich irgendwie nicht so eine Stadt, auch wenn es Merkmale einer Stadt hat. Es fehlt hier so etwas wie ein Stadtkörper, Masse. Die kleinteilige Altstadt hat schon etwas Städtisches. Sie ist sehr schön, aber irgendwie auch speziell mit diesen Lädeli, wo es gar nicht so normale Dinge zu kaufen gibt. Das Drumherum, was ich davon gesehen habe, empfinde ich schon nicht mehr als Stadt.
Vom Funktionellen her ist Zug wohl eine Stadt, aber auf mich hat sie nicht diese Wirkung. Wenn man von aussen kommt, scheint Zug schon recht klein.
Dieses Quartier Gartenstadt hier ist ein spezielles Gebiet. Ich glaube, ein Gebiet dieses Charakters gibt es in Zug sonst nicht.

avz_im_p01_01

Weiterlesen …

Roger Amgwerd (RA) und Adrian Bättig (AB) spazieren für ihre Ansichten von Zug drei Punkten entlang, mit denen sie biografisch verbunden sind. Der vierte Punkt ergibt sich aus der Spiegelung der ersten zwei Etappen. RA AB versuchen möglichst nahe den in der Karte eingezeichneten Geraden zu folgen und sprechen über jene Sichten auf die Stadt, die ihre Gedanken beim Gehen provozieren.

avz_raab_p03_01

RA AB sind beim Kunstraum am Blumenweg losgelaufen und passieren die Loretohöhe. Sie sprechen mit einem Gärtner, dessen Kollege in schwindelerregender Höhe ohne Sicherung daran ist, mit der Motorsäge einen Baum zurückzustutzen.

RA: Der Gärtner sagte uns eben, im Winter würden die Bäumen schlafen und dann hauten sie ihnen die Köpfe ab – ein toller Satz.

AB: Und er erzählte uns weiter, sein Kollege sei Schweizer Meister im Bäume Klettern. Ein entsprechender Wettbewerb finde jeweils in Holzhäusern statt. Dann meinte er noch, generell sei das Baumklettern ohne Leiter sicherer als mit, weil fallende Äste die Leiter wegschlagen und den Arbeiter darauf gefährden könnten.

Unterhalb der Loretohöhe angekommen, betrachten RA AB ein grösseres, rundum spiegelndes Gebäude, das am Wäldchenrand steht.

Weiterlesen …

avz_lk_p02_01
avz_lk_p02_02
avz_lk_p02_03

Vom „Löberenberg“, einer erhöht gelegenen Ebene über der Stadt Zug, geht es hinunter in die Stadt. Zwischen den Häusern eröffnet sich ein Blick auf eine dichte Ansammlung von Bauten. An dieser Hangkante vollzieht sich ein kontinuierlicher Übergang von einem Wohnquartier mit viel Grün zu einem dicht bebauten Stück Stadt, der Neustadt, oder wohl eher dem Quartier „Hinter-Neustadt“. Das Quartier schliesst an der Hauptachse des ehemaligen Industriequartiers, der Industriestrasse an und wird heute durch den Hang, die Gotthardstrasse, die Poststrasse und den Guggiweg begrenzt.

Weiterlesen …

Städte bestehen nicht nur aus Stein und Beton, sie bilden ein Soziogeflecht aus Handlungen und Begegnungen und sind vor allem die Summe der Aktionen und Interaktionen ihrer Bewohner.

Bei vielen Architekturen der Moderne gelingt es nicht Zwischenräume und öffentliche Orte zu erzeugen, die mehr als nur funktionale Verbindungen sind.

Wie könnte man einen Ort umfunktionieren und als möglichen Treffpunkt neu öffentlich nutzbar machen?
Als was sollte die perfekte Stadt fungieren? Als eine „selfmade city“, dessen architektonische Qualitäten sich den Notwendigkeiten des Alltags und an die neuen Erfordernisse anpassen, oder als eine mit durchrationalisierten Gebäuden, in der man sich ungeheure Mühe geben muss, um etwas Spontanität zuzulassen, da unser Benehmen von Normen und Vorschriften reguliert wird?

Als bebaute Umwelt nimmt die Architektur in Zug großen Einfluss auf das Arbeits- und Wohnleben, da die Stadt eine Vielzahl an räumlichen Strukturen und Infrastrukturen bietet. Hier stellt sich die Frage nach der Interaktion des Stadtraums auf die Freizeit. Wie spielt sich die Freizeit im Stadtzentrum ab, wie wird gestaltet und animiert und wie verändert sich das Stadtleben im öffentlichen Raum?

Nimmt die städtebauliche Entwicklung Einfluss auf das Privatleben oder ist die Veränderung des Verhältnisses zwischen Stadtraum und Bewohnern der Globalisierung, den neuen Trends und der Digitalisierung zuzuschreiben, welche die Aktivitäten im Freien in organisierten Freizeitanlagen mit umfangreichen Freizeitprogrammen oder in die häuslichen Privatsphären schieben?

avz_pc_p03_01 Weiterlesen …