Vergleiche in Zug – Nr. 1

Vor gut zwei Jahrzehnten war Zug für mich die Tür in die Schweiz, was unter anderem auch daran lag, dass mich gleich zu Beginn mehrere Leute fragten, wie ich Zug finden würde, was ich von Zug hielte. Manche Leute sprachen mich auf der Straße an und wollten umgehend meine Ansichten kennenlernen, meine Zuger Ansichten, so dass ich mir überlegen musste, was sie überhaupt meinten. Meinten sie Zug, die Stadt mit ihrer schönen Lage oder als typischer Teil Schweiz, Zug als Schweizer Stadt, Zug im Gegensatz zu Zürich oder zu Basel? Haben die Fragenden von mir irgendwelche Vergleiche erwartet, obwohl ich die Schweiz damals kaum kannte? Zunächst versuchte ich, dieses Nichtkennen zu erklären. Aber vielleicht ging es weder um Antworten, noch um Vergleiche, sondern um selbstbewusste – ja, selbstbewusste – Willkommensfragen.

Vom ersten Tag an schaute ich – selbst von meiner Wohnung aus – zum See hinab, täglich hatte ich den Blick auf die Stadtstrassen und die Wasserfläche, und während ich allmählich sah, dass der Zugersee sich mit einer Geschwindigkeit und mit einer Häufigkeit verändern kann wie kein mir bekannter See sonst, hatte ich allmählich Antworten bereit. Ich sagte, dass der Zugersee mitsamt der Stadt auch für mich an Konturen gewonnen habe. Dadurch kam ich mit einigen Personen näher ins Gespräch.

Ende Juli oder Anfang August erklärten mir einige Zuger, dass die Tage nun herbstlich seien. Herbstliche Tage mitten im Hochsommer! Diese Beobachtung wirkte erschreckend, geradewegs lebensverkürzend.

Aber es blieb bis in den Herbst hinein sommerlich, und das Licht wechselte weiterhin einfallsreich.

 

 

Erste Fotosimulationen aus Zug

 

Vor der Hauptpost hält mich
eine ältere Dame an. Sie
fragt, was ich von Zug halte.
Ich schaue ihr einfach in die
Augen und weiss nicht, was
sie mit der Frage meint.
Ein Fest in der Wohnung
der Stadtbeobachterin.
Peter Dalcher und seine
Frau Hanni sind dabei.
Sie sind die Ältesten und
Zugleich die Jüngsten,
was auf Anhieb sichtbar ist.
1993 und 1994 gibt es in
Zug noch 2 Zeitungen und
die Stadtbeobachterin, ich,
schreibe für sie, vor allem
für eine der beiden. Es gibt
mitunter gute Gespräche.
Im Kunstmuseum sitze
Ich oft, lese Zeitungen,
trinke ein Espresso,
kaufe sehr gut sortierte
Künstlerkarten und
geniesse und brauche
die anregende Ruhe.

 

Erste Streifzüge
mit Ursula Bossard.
Bildende Kunst in
den Vorder- und
Hinterhöfen, so dass
ich am Ende vielleicht
alle Bilder der Stadt
kennenlernen werde.
Gleich zu Beginn die Allmende,
von der ich früher nichts wusste.
Allmende ist ein neues Wort
für mich und der Ausgangspunkt
für ausgiebige PedaloFahrten,
die wiederum, die Fahrten mit
einem Pedalo, bedeuten quasi
die Sommersehnsucht, sie
bedeuten den erfahrbaren See.

 

Weit hinein in den See,
mit dem Tretboot auf dem
Wasser, von dort aus der
Blick zurück auf die Stadt.
Von wegen
Briefkastenfirmen!
Pedalofahrten und
Allmende!
Als ich in Zug ankam, habe ich zu
vergleichen gelernt. Das Licht in Zug!
Wenn ich wüsste, was Stolz bedeutet,
würde ich von Stolz reden. Ich habe
das Licht schnell entdeckt, das habe
ich, und später erst erfahren, dass
William Turner dieses Licht längst vor
mir entdeckt hatte. Es geht um seine
Bestätigung, um eine vorangehende
Bestätigung. Womöglich war er stolz,
vor allem aber war er wohl froh.
Als ich in Zug ankam,
gab es viele Fragen,
auch Zeitungsfragen.
Damals war der Fotograf
Andreas Grosz dabei,
heute u.a. Verleger,
aber damals legte er
sich an der Allmende
auf die Bepflasterung,
und ich kann mich an
sein Lachen erinnern,
während er fotografierte.
Bei einer Führung durch
das alte Rathaus fiel mir
ein Theaterstück ein.
Über das beachtliche Rathaus und
auch über das Stück wäre
viel zu sagen. Das Stück gibt
es inzwischen, es wurde
im Casino uraufgeführt.



Im Kopf Erinnerungsfotos
von Zug. Sehr viele. Sie
könnten einen Zug-Foto-
Roman ergeben. Demnächst
geht es um die Hänge mit
den Zuger Kirschbäumen.

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