Von 12 bis 18 Uhr

– Zug vom ersten bis zum letzten Zug

Ich bin in Baar aufgewachsen, habe meine Jugend in Zug verbracht. Weggezogen hat es mich bald. Ich hatte mich nie wirklich heimisch gefühlt in Zug, und doch ist diese Stadt Teil meiner Biografie. Also entschied ich, für diesen Blog wieder einmal einen ganzen Tag in Zug zu verbringen – vom ersten bis zum letzten Zug.

 

Von 12 bis 18 Uhr

Nach dem Gespräch mit Adam beschliesse ich, ein bisschen durch die Quartiere zu streifen, die zum Teil noch gar nicht existierten, als ich noch in Zug gewohnt habe. In Richtung Baar komme ich am Induktua vorbei. Der Denkmalschutz hat es gerettet, trotzdem erkenne ich das mir wohlvertraute Gebäude nicht darin wieder. Vor zehn Jahren beheimatete es Künstler und Musiker, ein lebendiger Treffpunkt, er musste Loftwohnungen weichen. Der Denkmalschutz beschäftigt sich nur mit der Fassade, nicht mit dem Inhalt, denke ich und biege links ab in die Unterführung, früher ein Verkehrsnadelöhr, jetzt das breite Tor zu den neuen Quartieren, die sich hinter den Geleisen erstrecken. Zwischen verglasten Terrassen und leeren Spielplätzen fühle ich mich ein bisschen wie ein Eindringling, überwältigt betrachte ich die Balkone. Plötzlich wird die strenge Geometrie gebrochen von zwei grossen Vögeln auf Balkongeländern. Plastikvögel, wohl um die echten davon abzuhalten, in die Scheiben zu donnern. Der Natur wird ihr Platz zugewiesen. Daran muss ich denken, als ich umkehre, ich möchte an der Kantonsschule vorbeispazieren, die ich sieben Jahre lang besucht habe.

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Das Schulgebäude hat sich kaum verändert, auch das grosse Feld nebenan liegt noch da. Meinen alten Schulweg, die Strasse, die zum Metalli zurück in die Stadt führt, erkenne ich aber kaum wieder. Hier standen barackenartige Häuser, in denen Flüchtlinge gelebt hatten. Sie schienen immer provisorisch gedacht, mit dünnen Wänden und engem Wohnraum. Gewichen sind sie einem futuristischen Bau mit verspiegelten Wänden, sie werfen ein verzerrtes Bild der umliegenden Bäume zurück. Ich verstehe nicht, was es ist, auch beim Lesen der grossen, ebenfalls spiegelnden Lettern, doch der Naturbegriff bleibt Thema: City Garden. Das Thema wird mich später im Gespräch mit einem jungen Landschaftsgärtner nochmals beschäftigen.

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Zurück am Bahnhof erinnere ich mich an die lange Grafitti-Wand, die ich früher immer wieder lange und ausführlich studiert habe. Überrascht stelle ich fest, dass sie alle noch da sind, die Figuren und Lettern, ich begegne ihnen wie alten Bekannte. Und tatsächlich, auch der Pfeil mit dem Hinweis „Noch nicht fertig“, er ist immer noch da.

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